#341 – Game Boy Color IPS Display

#341 – Game Boy Color IPS Display

Lange ist es her, da haben wir uns den „Game Boy Color“ in Artikel 92 angesehen…

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Was soll ich sagen? Ich liebe diese Konsole. Mit dem ersten Game Boy mit Farbdisplay verbinde ich eine glückliche Kindheit und etliche Stunden Spiel und Spaß. Ich denke da z.B. an waghalsige Abenteuer mit dem Star-Archäologen Dr. Henry Jones jr. in „Indiana Jones and the Infernal Machine“, ritterliche Quests auf einer tropischen Insel mit Held Link in „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“ (siehe Artikel 19) oder an hunderte Stunden, die ich in diversen „Pokémon“-Editionen für den Handheld versenkt habe. Kaum eine andere Konsole hat mich über so viele Jahre begleitet. Danke nochmal für dieses tolle Weihnachtsgeschenk, Mama und Papa! 🙂

Fun Fact: Ich habe den Spielstand mittlerweile leider nicht mehr, weil die Speicherbatterie des Moduls leer wurde, bevor ich ihn sichern konnte, allerdings meine ich mich zu erinnern, auf meiner „Pokémon Gold“-Edition über 220 Stunden Spielzeit gehabt zu haben. Mann, hatte man damals viel Zeit… 😀

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Zu einigen der genannten Titeln greife ich auch heute noch gerne – wenn auch nur für ein kurzes Intermezzo auf der Toilette! 😀 Es fasziniert mich einfach, dass diese Geräte nach all den Jahren – trotz intensiver Nutzung als Spielzeug durch unvorsichtige Kinderhände – noch immer funktionieren. Wie wir bereits wissen, kam der Game Boy Color in Europa gegen Ende 1998 auf den Markt und wurde bis Anfang 2003 verkauft. Anhand der etwas höheren Seriennummer würde ich schätzen, dass mein Modell von ca. Ende 2000 ist. Somit hat das Gerät auch schon fast 25 Jahre auf dem Buckel!

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Auch wenn mir die Spiele immer noch Spaß machen, gibt es einen Faktor, der mir – nicht nur dank schlechter werdenden Augen – kaum Freude bereitet. Bereits in Artikel 92 haben wir über das unbeleuchtete Display gescherzt und ich nehme mir einfach mal die Freiheit, das meiner Meinung nach dazu sehr gut passende Bild nochmal heraus zu kramen:

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Aber Spaß beiseite – hättet ihr Lust, ein mehrstündiges Abenteuer auf einem viel zu dunklen, kaum sichtbaren Bildschirm zu bestreiten? Ich nicht.

Fun Fact: Das rechte Bild wurde mit Blitz fotografiert und sieht fast etwas besser aus, als es in Wirklichkeit ist. Das linke Bild ohne Blitz kommt der tatsächlichen Sichtbarkeit der Geschehnisse auf dem Display etwas näher. Top, oder? Im Dunkeln ist man hier völlig verloren…

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Gut, dass wir im Jahr 2025 ganz andere Möglichkeiten haben. Einerseits könnte man sich eine neue Konsole (z.B. Switch oder Steam Deck) mit deutlich besserem Display kaufen und darauf alte Game Boy Spiele emulieren, doch auch für den betagten Game Boy Color gibt es seit Jahren einige Lösungen, um der Konsole ein etwas besseres Display zu spendieren. Eine der ältesten und günstigsten Varianten ist der sog. „Frontlight-Mod“. Dabei werden einfach seitlich ein paar LEDs (oder eine aus mehreren LEDs bestehende Platine) in den Game Boy gesetzt. So wird das bereits verbaute Display etwas besser beleuchtet und man kann auch bei Nacht halbwegs erkennen, was man da eigentlich spielt – ganz ohne Worm Light! 😉

Fun Fact: Letztendlich ist das die gleiche Technik, die bei den frühen Versionen des Game Boy Advance SP (ihr wisst schon, der klappbare) zum Einsatz kam.

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Nicht schlecht, aber das geht doch sicher auch noch besser, oder? Na klar! Beim „Backlight-Mod“ wird das Display gleich komplett gegen einen neuen, beleuchten Bildschirm getauscht.

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Klingt gut, also ist das die perfekte Lösung? Wie immer im Leben hat alles seine Vor- und Nachteile. Während Backlight-Mods ein wesentlich besseres Bild erzeugen, ist die Bildschirmgröße (und somit auch die Auflösung) meist anders, als im Vergleich zum originalen Display. Entsprechend muss man zum Einbau dieser größeren Screens viel am Gehäuse des Gameboys herum fräsen, zahlreiche Kabel an diversen Punkten auf der Hauptplatine verlöten, oder gar ein anderes Gehäuse (Aftermarket-Produkte von Drittherstellern) verwenden. Das alles ist natürlich davon abhängig, für welches Backlight man sich entscheidet. Es gibt eine wahren Dschungel an verschiedenen Herstellern und Modellen mit entsprechend unterschiedlichen Funktionen.

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Ein weiteres Problem ist, dass einige beleuchtete Bildschirme sehr viel Strom benötigen und so die Akkulaufzeit des Geräts deutlich verringern. Die neueren Backlights für den Game Boy Color erzeugen dank IPS-Technologie ein fantastisches Bild, allerdings ist auch dort der Bildschirm größer, als beim Original. Klar, ein größeres Bild ist natürlich schön, aber wenn ich dafür die Konsole so sehr verändern muss, dass ich ein anderes Gehäuse, andere Knöpfe und eine andere Displayscheibe benötige, kann ich mir eigentlich auch gleich ein Android-Handheld, eine Nintendo Switch oder (für Leute mit richtig dickem Geldbeutel) einen Analogue Pocket kaufen.

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Wie so häufig gehen die Meinungen weit auseinander, aber ich persönlich bin ein Fan von einer einfachen Lösung, bei der man möglichst wenig an der Konsole verändern muss und den Umbau wenn möglich auch wieder recht einfach zurückbauen kann. Wenn ich ehrlich bin, gefallen mir auch diese größeren Displays nicht wirklich. Ich finde der Game Boy Color ist gut so wie er ist – bis auf das dunkle Display eben! 🙂

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Eine aus meiner Sicht sehr gute Lösung sind die sog. „Drop-In IPS-Displays“. Einerseits gibt es diese tatsächlich auch in der originalen Bildschirmgröße und andererseits lassen sie sich ohne größere Veränderungen am Game Boy selbst (also ohne viel Lötarbeiten oder Bearbeitung des Gehäuses) ein- oder ausbauen. Da ich es aber letztendlich doch nicht übers Herz gebracht habe, meinen „Kindheits-Game Boy“ zu verbasteln, habe ich gleich einen Game Boy Color mit bereits verbautem IPS-Display gekauft. Ich weiß, das ist etwas faul, aber wenn man bedenkt, dass diese Displays ca. 70€ kosten, kann man auch gleich einen bereits gemoddeten Game Boy erwerben, damit kommt man dann vielleicht sogar günstiger weg.

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Puh – das nenne ich mal einen krassen Unterschied. Ich denke ich muss euch nicht erklären, welcher der beiden Game Boy das neue Display verbaut hat, oder? 😉

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Besonders cool ist, dass das Display ein eigenes Menü besitzt, welches über zwei Touch-Sensoren auf der Oberseite des Game Boys bedient werden kann. Um dieses zu öffnen, müssen beide Sensoren gleichzeitig für ca. 3 Sekunden gedrückt werden.

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Im Menü lassen sich dann ein paar Einstellungen zur Bilddarstellung treffen. So gibt es beispielsweise 15 verschiedene Helligkeitsstufen, welche je nach Lichtverhältnissen in der Umgebung passend gewählt werden können.

Fun Fact: Wäre es euch aufgefallen? Hier spielen wir nicht etwa „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“, sondern einen Romhack des Spiels namens „Hard Awakening“, welcher treuen Lesern vielleicht noch aus Artikel 215 bekannt vorkommen könnte! 😉

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Ebenso stehen ein paar vordefinierte Farbpaletten zur Verfügung. So lässt sich das Bild z.B. in Graustufen, wie auf einem Game Boy Pocket, darstellen.

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Besonders cool finde ich die „Pixel Effect“-Funktion. Damit lassen sich dem Bild horizontale, vertikale, oder gitternetzlinienförmige Pixel hinzufügen, wodurch das Bild tatsächlich noch etwas mehr wie auf einem originalen Display aussieht.

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Und noch eine Spezialfunktion ist mit an Bord: FRM. Das steht für „Frameblending mode“ und soll ein Problem umschiffen, welches der Einbau eines neuen IPS-Displays mit sich bringt. Der Game Boy ist so konstruiert, dass er keine transparenten Objekte darstellen kann. Allerdings machten sich findige Entwickler die Trägheit des originalen Bildschirms zu Nutze und gaukelten dem Spieler Transparenzeffekte vor, indem sie schnell abwechselnd verschiedene Grafiken darstellten. Die neueren, beleuchteten Displays haben dieses „Feature“ (also die Trägheit der Anzeige) nicht und so sehen bei einigen Spielen die Grafiken nicht transparent, sondern eher flackernd aus. Die FRM-Funktion versucht durch das Überblenden von einzelnen Frames diesen Trägheitseffekt zu simulieren, um möglichst genau an die Darstellung auf einem originalen Display heranzukommen. Abgefahren! 🙂

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Klingt ja alles super, also ein rundum gelungener Kauf? Nicht ganz, denn leider wurde einer der beiden Touch-Sensoren so verbaut, dass er sich exakt hinter der schwarzen Abdeckung der Infrarot-LEDs befindet:

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Das ist blöd, denn dadurch kann der Game Boy keine Infrarotsignale mehr senden oder empfangen. Für die meisten Spiele ist das egal, aber wer die Artikel 93 und 240 gelesen hat, weiß, dass wir den Game Boy als Ersatz für eine TV-Fernbedienung verwenden und dafür brauchen wir den IR-Sensor.

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Gut, dass wir den Missstand leicht beheben können. Im Endeffekt müssen wir dafür lediglich das Gerät aufschrauben und die Hauptplatine lösen.

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Prompt lässt sich auch schon der Touch-Sensor erspähen, der in Form eines kleinen Klebepads einfach über die Infrarot-LEDs geklebt wurde. Tatsächlich ist das leider häufig bei Umbauten dieser Art der Fall, vermutlich braucht die Infrarotschnittstelle einfach keine Sau – außer mir natürlich! 😛

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Das Pad lässt sich glücklicherweise recht einfach abziehen und an einer anderen Stelle platzieren. Ich habe mich dazu entschieden, den Sensor rechts oben, direkt neben den Infrarot-LEDs zu verpflanzen.

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Sieht doch gleich besser aus! 🙂

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Und die Bedienung der Sensoren klappt auch noch einwandfrei:

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Kaum steht dem Funksignal nichts mehr im Wege, funktioniert auch der Infrarotsensor wieder und wir können z.B. die Lautstärke am Fernseher verändern. Die Welt ist gerettet! 😛

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Doch schnell zurück zum eigentlichen Star der heutigen Show – dem Display des Game Boys. Gerade in Kombination mit einer Flashkarte, wie z.B. dem EverDrive, ist die umgebaute Handheld-Konsole nun ein echt starkes Teil.

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So können wir z.B. das in Artikel 333 vorgestellte (und in den Artikeln 334, 335 und 336 übersetzte) „Pokémon Picross“ in voller Pracht genießen. Ist das nicht cool? 🙂

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Ende gut, alles gut. Im Nachhinein hätte der heutige Beitrag vermutlich auch „Fixing Nintendos Mistake“ heißen können. Es ist wirklich schade, dass Big N nicht von vornherein vernünftige Bildschirme in ihren Game Boys verbaut hat, aber vielleicht war es aus wirtschaftlicher Sicht sogar die richtige Entscheidung. Der Erfolg gibt Nintendo wohl recht, denn im Vergleich zur – technisch überlegenen – Konkurrenz (Atari Lynx oder Sega Game Gear) konnten sich die Game Boy Konsolen (Classic, Pocket, Color) nicht zuletzt dank der langen Batterielaufzeit sowie den günstigen Herstellungskosten und dem damit verbunden niedrigeren Verkaufspreis erstaunlich lange auf dem Markt halten.

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In diesem Sinne – bis die Tage!

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