Vor einigen Tage erreichte mich dieses mysteriöse Paket aus Polen:

Die schwarze Plastikfolie sieht ja mal mega dubios aus. Illegale Drogen? Waffenschmuggel? Oder gar der Import von nicht zertifizierter Unterhaltungselektronik? Weit gefehlt, in dem Paket befindet sich tatsächlich nur ein altes Videospiel für MS-DOS namens „Electro Body“:

Nanu? Das Spiel kennen wir doch bereits aus Artikel 127. Zur Erinnerung: „Damals“ habe ich euch eine deutsche Version des DOS-Klassikers samt Originalverpackung gezeigt. Erinnert ihr euch?

Das nun gekaufte Exemplar ist allerdings eine polnische Version. Jedem, der nicht auf den Kopf gefallen ist, sollte sofort eine Frage ins Hirn schießen: „Warum um alles in der Welt kauft man sich das gleiche Spiel zwei Mal? Und dann auch noch in einer Sprache, die man nicht versteht?“. Zumal selbst die Verpackung frappierend an die bereits erworbene, deutsche Version erinnert:

Natürlich gibt es für dieses augenscheinlich absurde Handeln eine plausible Erklärung. Letztendlich handelt es sich bei der polnischen Version um eine limitierte (und vom ursprünglichen Entwickler genehmigte) Neuauflage des Spiels, welche mit einigen Extras daher kommt.
Fun Fact: So fragwürdig das schwarze Paket auch auf dem ersten Bild ausgesehen hat, umso überzeugter bin ich von dessen Inhalt. Schaut euch nur mal diese ganzen Beilagen an! 🙂

So haben wir einerseits eine CD am Start, auf welcher sich ein Setup-Programm für das Spiel befindet, mit dem man es auf modernen Windows-Systemen installieren kann.

Im Endeffekt passiert dabei nichts weltbewegendes und es wird lediglich eine DOSBox samt Spieldaten auf den Rechner überspielt, aber immerhin lassen sich die Spieleinstellungen bequem per grafischem Menü setzen. Die Begriffe sind dabei so selbsterklärend, dass man selbst ohne Polnischkenntnisse super zurecht kommt! 🙂

Das war aber noch nicht alles, denn gleichzeitig fungiert die Scheibe auch als Soundtrack. Wie das? Nun, die Disc lässt sich in einen CD-Spieler einlegen und als Audio-CD abspielen. So kann man den aus sieben Stücken bestehenden Soundtrack auch ganz ohne Computer genießen!

Wer keinen Bock auf so modernen Quatsch hat, für den ist der Soundtrack auch auf einer Audiokassette dabei. Na, wie viele von euch haben noch ein Kassettendeck? 😉

Besonders cool finde ich, dass die Box auch zwei Disketten beinhaltet (3,5 und 5,25 Zoll), auf denen sich jeweils das Spiel in seiner ursprünglichen Form (ohne zusätzliche Installationsprogramme) für MS-DOS befindet. So sollte sich „Electro Body“ auf so ziemlich jedem IBM PC mit mindestens einem 286er Prozessor zum Laufen bringen lassen – egal ob MS-DOS 3.0 oder Windows 11 darauf läuft! 🙂

Selbstverständlich darf auch ein Handbuch nicht fehlen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich hier außer den beschriebenen DOS-Befehlen nicht wirklich viel verstehe! 😀

Der eigentliche Grund, warum ich aber zugegriffen habe ist ein anderer. Als das Spiel anno 1992 in Polen erschien, gab es wohl auch eine „Deluxe Edition“, welche zusätzlich einen „Covox-Stecker“ beinhaltete. Und genau das Ding ist auch bei der Neuauflage mit dabei!

Der liebevoll auch „Covox Speech Thing“ genannte Adapter ist letztendlich ein einfacher Digital-Analog-Wandler, welcher an den Druckerport (LPT) eines PCs angeschlossen wird und digitalisierten Sound in analoge Signale (Mono) zur Ausgabe über einen externen Lautsprecher umwandelt. Der Covox-Adapter war eine der ersten, etwas besseren Alternativen zum piepsigen PC Speaker. Das Gerät war Anfang der Neunziger gerade in der Demoszene sehr beliebt, da man es vergleichsweise günstig selbst basteln konnte und zur damaligen Zeit „echte“ Soundkarten noch sehr teuer waren.

Klingt cool! Das sollten wir natürlich gleich mal ausprobieren. Als Testobjekt habe ich zum zickigen Olivetti-PC aus Artikel 290 gegriffen. Warum? Einerseits ist in dem Rechner (außer dem PC Speaker und der Roland-MIDI-Schnittstelle) keine echte Soundkarte (AdLib, Sound Blaster, etc.) verbaut und andererseits kommt man prima an den Parallelport auf der Rückseite heran. Bei allen anderen PCs müsste ich hinter den Schreibtisch klettern. Nein, danke. Manchmal siegt einfach die Faulheit! 😛

Der Covox-Adapter ist schnell am Druckerport angesteckt. Jetzt müssen wir ihn nur noch mit einem Kabel (Cinch auf 6,35mm Klinke) zu einem Lautsprecher verbinden. Die Yamaha-Box (Modell „AA5“) bietet sich an, da sie sowieso schon neben dem Olivetti-PC steht! 🙂

Electro Body ist dann auch recht fix installiert. Diskette rein und auf gut Glück irgendwelche polnischen Installationsmenüs durchdrücken. Läuft! 😛

Abschließend müssen wir dem Spiel noch im Konfigurationsmenü mitteilen, dass der Sound über den LPT-Port ausgegeben werden soll:

Was sagt man dazu? Es klappt auf Anhieb und wir hören den Sound des Spiels…

…nicht mehr über den PC-Speaker, sondern direkt aus der Yamaha-Box in deutlich besserer Qualität. Echt geil! 🙂
Fun Fact: Besonders bemerkenswert finde ich, dass das Ding vollständig ohne Treiber auskommt. Nicht mal in der CONFIG.SYS oder AUTOEXEC.BAT muss etwas geladen werden. Es funktioniert einfach direkt out of the box, ist das nicht abgefahren?! 😀

Scheint ja ein richtig cooles Ding zu sein, dieser Covox-Adapter. An und für sich ja, doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So wird das Ding leider von nicht sehr vielen Spielen unterstützt. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Berechnung – im Vergleich zu einer richtigen Soundkarte – zu einhundert Prozent durch Software geschieht. Konkret bedeutet das, dass die CPU des Rechners mitunter ganz schön viel Zeit darauf verwendet, den Adapter mit den passenden Bytes zur Audiokonvertierung zu füttern, was sich wiederum negativ auf die Performance von Spielen auswirken kann. Trotzdem war das Covox Speech Thing gerade Anfang der Neunziger ein Segen für Laptopbesitzer, da diese Geräte meist nur mit einem PC Speaker ausgestattet waren und noch keine Lautsprecher verbaut hatten.
Fun Fact: Ursprünglich war das Covox Speech Thing zur Nutzung mit Sprachsynthesesoftware (Text-to-Speech) gedacht und wurde zusammen mit entsprechender Software verkauft. Ungefähr 70 Dollar musste man 1987 für so ein Gerät hinblättern. Ganz schön heftig!

Sucht man nach Spielen, die das Covox Speech Thing unterstützen, trifft man unweigerlich auf „Pinball Fantasies“. Die 1994 für MS-DOS erschiene Flippersimulation ist recht flexibel, was die Soundausgabe angeht.

Mit zwei Disketten ist die Installation angenehm schlank und schnell erledigt. Tatsächlich klingt die Audioausgabe nicht schlecht. An die Qualität einer richtigen Soundkarte kommt das Ding nicht ran, aber im Vergleich zum Systemlautsprecher hört sich das schon richtig gut an! 🙂 Und sind wir mal ehrlich – eine Runde flippern geht einfach immer! 😉
Not so fun Fact: Erst nach mehreren Versuchen ist mir klar geworden, dass ich im Konfigurationsmenü die Auswahl „HIGH“ treffen muss. Ansonsten verschluckt sich unser betagter Italiener an der Flipperkugel und bleibt mit einem schwarzen Bildschirm hängen. Für eine Ausgabe in höherer Qualität („VERY HIGH“ oder „MAXIMUM“) reicht wohl einfach die CPU-Power nicht aus.

Ein Spiel, welches wir auch dazu überreden können, zumindest ein paar Soundeffekte über den Covox-Stecker auszuspucken, ist „Wolfenstein 3D“. Die Mutter aller Shooter erschien 1992 (ja, sogar noch vor „Doom“) und gilt zurecht als Meilenstein der Videospielgeschichte. Das Spiel gründete mehr oder weniger im Alleingang das 3D-Ego-Shooter-Genre und ich würde mal behaupten, dass es wenige Leute gibt, die nicht zumindest schon mal den Namen des Ballerspiels gehört haben.
Fun Fact: Das Spiel wurde 1994 in Deutschland aufgrund der Gewaltdarstellung sowie der Darstellung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen indiziert (also auf die Liste jugendgefährdender Medien gesetzt) und sogar bundesweit nach den Paragraphen 86 und 131 des Strafgesetzbuches beschlagnahmt. Erst 25 Jahre später, also im Jahre 2019, wurde das Verkaufsverbot wieder aufgehoben und das Spiel vom Index gestrichen.

Was beim Start auffällt: Scheinbar werden nur Soundkarten wie AdLib, der Sound Blaster oder das „Disney Sound Source“ unterstützt. Bei letzterem handelt es sich um ein Gerät, welches ähnlich wie der Covox-Adapter funktioniert, allerdings ein paar Verbesserungen (eingebauter Lautsprecher, Pufferbereich für Audiosignale, Bassfilter) enthält. Ich finde es schon irgendwie lustig, dass ein von Disney entworfenes Produkt für Kinderspiele letztendlich zum Spielen eines der brutalsten Videospiele seinerzeit verwendet werden konnte! 😀
Fun Fact: Ironischerweise wird das Disney-Ding von mehr Spielen unterstützt, als der Covox-Stecker! 😀

Leider haben wir so ein Gerät nicht, aber findige Entwickler haben bereits anno 1992 einen Patch entwickelt, mit welchem sich der Sound von Wolfenstein 3D anstelle des Disney Sound Source über den Covox-Adapter ausgeben lässt. Um ehrlich zu sein, bin ich etwas skeptisch, eine kryptische COM-Datei auf den Untiefen des Internets auszuführen, aber hey – no risk, no fun! 😉

Schwer zu glauben, aber dank dem nur 222 Byte kleinen Programm hören wir jetzt tatsächlich ein paar Geräusche (z.B. öffnende Türen und Pistolenschüsse) über die Yamaha-Box. Abgefahren! 😀

Kommen wir zu guter Letzt noch zu einem echten Highlight. Habt ihr schon mal etwas von „Leather Goddesses of Phobos! 2: Gas Pump Girls Meet the Pulsating Inconvenience from Planet X“ gehört? Ich nicht, aber auf der Suche nach kompatiblen Spielen bin ich auf diese Perle gestoßen. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich ein waschechtes Point-and-Click-Adventure. Wie konnte mir das bisher nur entgangen sein?! 😛

Das Spiel will von sage und schreibe zehn (!) Disketten installiert werden und ich kann euch sagen, es war eine Odyssee, die insgesamt knapp 15 Megabyte auf die Festplatte des Olivetti-PCs zu kopieren. Während der Diskettenwechselorgie musste ich feststellen, dass einmal Disk 7 und danach Disk 9 defekt waren und der dämliche Installationsdialog natürlich bei jedem kleinsten Fehler einfach abstürzt, sodass man immer wieder komplett von vorne beginnen darf. Tja, so kann man auch zwei Stunden rumbringen! xD
Fun Fact: Tatsächlich passt das Adventure prima zur italienischen Diva. Nicht nur weil dessen Installation ähnlich zickig wie die Aufarbeitung des Olivetti-PC-Systems war, sondern auch, weil für die Musikausgabe ein Roland-Synthesizer unterstützt wird und den haben wir seit Artikel 294 ja ebenfalls am Start! 🙂

Aber egal – jetzt ist das Game ja endlich installiert und entsprechend konfiguriert. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht den blassesten Schimmer, um was es im dem Spiel geht. Das Intro mit seinen bunten, aber zumeist skurrilen Screenshots lässt viele Fragen offen. Ernsthaft – könntet ihr anhand der Bilder erraten, um was es hier geht? 😀

Die Story scheint sehr skurril und vollgepackt mit Slapstick-Humor zu sein:
Es ist 1958 und Astronomen haben soeben „Planet X“, den zehnten Planeten in unserem Sonnensystem, entdeckt. Eines Nachts wird die schläfrige Stadt Atom City Zeugin eines Raumschiffabsturzes, bei dem nur ein Außerirdischer überlebt. „Barth“, die „pulsierende Unannehmlichkeit“ vom Planeten X. Die Leder-Göttinnen haben Planet X überfallen und die Bewohner gezwungen, Sexsklaven zu werden. Barth ist auf die Erde geflohen, in einem verzweifelten Versuch, Menschen zu finden, die helfen können, seinen Planeten zu befreien.
Uff, Viel mehr „Sci-Fi-Trash“ geht fast nicht! 😛 Von der Beschreibung her wirkt das Game wie ein typisches „Produkt seiner Zeit“. Heutzutage würde so ein Spiel vermutlich von tobenden Feministinnen oder politisch korrekten Jugendschützern in der Luft zerrissen werden! xD
Fun Fact: Ist es euch aufgefallen? In der Beschreibung ist von einem zehnten Planeten die Sprache. Tja, „damals“ also vor 2006 galt Pluto noch als neunter Planet unseres Sonnensystems. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass es nur noch acht Planeten sowie fünf Zwergplaneten (darunter Pluto) sind.

Aber ich muss zugeben, dass meine Neugier – nicht nur auf Grund der leicht bekleideten Damen – geweckt ist, denn tatsächlich ertönen Klänge aus der Yamaha-Box und nicht nur das – es sieht so aus, als wäre sogar eine digitale Sprachausgabe über das Covox Speech Thing mit an Bord. Krass! Vielleicht ist das Spiel ein geeigneter Kandidat für einen zukünftigen Blogartikel. Mal sehen. Für heute reicht es mir jedenfalls. Ledergöttinnen lassen sich eh schwer toppen. 😉

Ich denke damit ist auch der ideale Zeitpunkt gekommen, den kleinen Rückblick auf Electro Body, das Covox Speech Thing sowie ein paar weitere Spiele, welche den Adapter unterstützen, zu beenden. Die abschließenden Worte gehören dem legendären „Wolfenstein 3D“. Beim Versuch, das Spiel zu beenden, bekommt man per Zufallsauswahl ein paar lässige Sprüche entgegengeschleudert. Viel treffender hätte ich das Ende des Beitrags auch nicht einleiten können! 😉

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!
14. November 2025, 23:53
Ja was hatter denn da ausgegraben? An das Spiel Electro Man / Electro Body erinner ich mich nur sehr dunkel. Ich meine mal eine Demo in den 90ern davon gespielt zu haben (Disketten die auf Zeitschriften klebten). Und dann gleich noch mit einem Covox Speech Thing… wieder ganz tief in die Exotenkiste gegriffen.
Wenn du mal einen meiner ROMpler testen willst (CM32L oder SC 8820) gib Bescheid, dann bring ich dir die Dinger vorbei.
15. November 2025, 6:33
Na logisch, Standard kann ja jeder… 😉
Danke für das Angebot! Sehr verlockend, da es sehr exklusive Geräte sind. Wäre schon interessant, damit mal herum zu spielen und werde ich bei Gelegenheit gerne darauf zurückkommen. Habe aktuell nur etwas “Projektstau”, der noch abgearbeitet werden muss. Zeit ist auch so ein Faktor, der irgendwie immer weniger wird.
PS: In Artikel 343 geht es auch nochmal etwas um das Covox Teil.