Was haben wir beim letzten Mal gelernt? Videospielmusik war zu MS-DOS-Zeiten eine komplexe Sache! Auch mussten wir feststellen, dass wir derzeit keine Möglichkeit haben, ein paar Megabyte an Daten auf einen alten MS-DOS-PC zu schaufeln, ohne maßlose Diskettenorgien feiern zu müssen! 😛

Bleibt also die Frage zu klären: Wie bekommen wir die knapp 23 Megabyte an Daten auf den Rechner? Wie immer gibt es mehrere Optionen, aber ich befürchte, dass uns der mit 286-CPU versehene Olivetti-PC schon von Haus aus recht einschränken könnte.

Eine Option wäre, den Rechner mit Hilfe einer Netzwerkkarte in das Heimnetz einzubinden. Eine verrückte Idee, aber tatsächlich gibt es einige Ansätze, das fast 40 Jahre alte Betriebssystem in die Online-Welt zu bringen. Gerade die mTCP-Bibliotheken, welche z.B. einen HTTP-Server oder FTP-Client beinhalten, bieten interessante Möglichkeiten zur Online-Kommunikation unter MS-DOS.

Klingt nach einem coolen Projekt, allerdings habe ich keine große Lust, ein spezielles LAN für Retro-PCs (samt entsprechend alter Netzwerkhardware) aufzubauen und andererseits weiß ich auch nicht, wie sich eine Netzwerkkommunikation mit der von uns „zweckentfremdeten“ Etherlink-III-Netzwerkkarte verträgt. Zur Erinnerung: In Artikel 293 haben wir ja das Boot-ROM der Netzwerkkarte für das XTIDE BIOS (zur Ansteuerung einer nicht vom BIOS vorgesehenen Festplatte) missbraucht. Es ist eher fraglich, ob man die Karte zusätzlich noch als Netzwerkschnittstelle verwenden kann.

Netzwerk fällt also flach. Eine weitere Möglichkeit wäre die Installation eines CD-ROM-Laufwerks. Prinzipiell keine schlechte Idee, aber leider ist in dem eng bemessenen Gehäuse des Olivetti-PCs gar kein 5,25“-Schacht für so ein Gerät vorgesehen und andererseits schätze ich die Wahrscheinlichkeit, dass wir nochmal ein so altes CD-Laufwerk samt spezieller CD-ROM-Controllerkarte für den ISA-Bus (wie in Artikel 276) auftreiben können und dann auf dem 286er zum Laufen bekommen als eher gering ein. Diese Dinger sind leider ziemlich selten und entsprechend teuer.

So langsam gehen uns die Möglichkeiten aus, wenn wir nicht an der Festplatten (bzw. der verbauten CompactFlash-Karte als 2. Festplatte) herumreißen möchten. Auf der Suche nach weiteren Ideen, bin ich über eine interessante Lösung gestoßen. Wenn alles klappt, dann kommt uns heute ein kleines Paket, bzw. ein Umschlag aus China zur Hilfe!

Sehr mysteriös! Was sich wohl darin befindet? Oha – eine CD und eine ISA-Steckkarte:

Mal etwas genauer inspizieren… Bei der Karte handelt es sich maßgeblich um einen „ISA-to-USB-Adapter“. Damit sollen sich USB-Geräte über den ISA-Bus auch an älteren Betriebssystemen betreiben lassen.

Außer ein paar elektronischen Standardbauteilen (Kondensatoren, Widerstände, integrierte Schaltkreise), einem ROM-Steckplatz, ein paar Jumper, sowie einem USB-Port findet sich nicht wirklich viel auf der 8-Bit-ISA-Karte. Wenn ich raten müsste, würde ich vermuten, dass der USB Interface Chip vom Typ „CH375“ die meiste Arbeit (konkret das Übersetzen der Daten zwischen dem parallelen 8-Bit-Bus und dem seriellen USB-Port) übernimmt.

Mann, so eine Mini-CD habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen! Und dann ist es mit 225 MB Kapazität (bzw. 25 Minuten Spielzeit) auch noch ein recht außergewöhnliches Format. Ich kann mir nur schwer vorstellen, warum die Chinesen die für die Karte benötigten Treiber und Dokumente auf so einen veralteten, ungewöhnlichen Datenträger gepackt haben. Wäre ein Verweis auf einen Download-Link nicht einfacher gewesen? Wirklich bizarr! 🙂

Der Inhalt der CD ist ähnlich bizarr. Hier finden sich Diverse chinesische Ordner und eine mehr oder weniger geordnete Dateistruktur mit ein paar Treiberdateien (*.SYS). Ich bin gespannt, ob wir das Ding wirklich unter MS-DOS zum Laufen bekommen! 🙂

Dann bauen wir das gute Stück mal ein. An und für sich ist das kein großer Akt, allerdings kann ich euch gar nicht sagen, wie sehr es mich davor graut, dass wir den Olivetti-PC nochmal aufschrauben müssen! 😀 Zumindest reicht es diesmal, die Abdeckung auf der Rückseite zu entfernen. Schon lässt sich der ISA-to-USB-Adapter am letzten freien ISA-Steckplatz einstecken.
Fun Fact: So langsam ist der PC aber nun wirklich bis zum Anschlag voll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch ein weiteres Stück Hardware in dem Mini-286er unterbringen! 😀

Beim Blick von außerhalb des Gehäuses fällt auf, dass die Karte gar kein Slotblech besitzt! Sehr merkwürdig. Vielleicht gab es einfach nichts Fertiges mit geeigneten Maßen und die Chinesen haben sich die Produktion eines geeigneten Blechs gespart.

Beim Start des Rechners hat sich erst mal nicht viel verändert. Wie auch ohne Gerätetreiber? 🙂

Ok, was müssen wir nun tun, damit der PC etwas mit der USB-Karte anfangen kann? Eine Möglichkeit wäre es, über den IC-Steckplatz einen ROM-Chip samt Firmware auf die ISA-Karte aufzustecken. So könnte sich der Adapter ohne einen, vom Betriebssystem beim Start zu ladenden, Treiber verwenden lassen. Dadurch müsste man theoretisch auch einen PC mit MS-DOS über ein USB-Gerät booten lassen können. Klingt cool, aber leider hat diese Lösung einige Nachteile. Einerseits ist die originale Firmware ziemlich fehlerbehaftet und andererseits ist es schwierig, überhaupt ein passendes BIOS dafür aufzutreiben. Ebenso funktioniert die ROM-Variante wohl nicht bei älteren Systemen, da mindestens eine 80286-CPU benötigt wird.

Das wäre ein interessantes Projekt, aber ich denke, wir sollten uns eher mit der „Standardvariante“ – also dem Laden eines Gerätetreibers über MS-DOS – beschäftigen. Das geht tatsächlich recht einfach, denn dafür müssen wir lediglich die auf der CD mitgelieferte Treiberdatei „CH375DOS.SYS“ auf die Festplatte kopieren…

…und in der „CONFIG.SYS“ den Treiber beim Systemstart laden lassen. Über die, zugegeben etwas kryptisch anmutenden, Parameter lassen sich so Dinge wie die I/O-Adresse oder die Geschwindigkeit, in welcher Daten geschrieben und gelesen werden können, einstellen. Besser wir beschäftigen uns gar nicht zu sehr damit und lassen alles auf den Standardwerten! 😉

Nach einem Neustart wird der Treiber dann tatsächlich geladen:

Sieht gut aus! Was fehlt uns noch zur Datenübertragung? Richtig – ein USB-Stick. Leider gibt es (ähnlich wie bei Festplatten) auch hier zahlreiche Beschränkungen, welche die Auswahl eines geeigneten Datenträgers gewaltig eingrenzen. Einerseits können lediglich im FAT16-Dateisystem formatierte Sticks verwendet werden. „Neuere“ Dateiformate wie FAT32 werden nicht unterstützt. Ebenso darf es nur eine einzige Partition auf dem Datenträger geben. Konkret heißt das, dass wir entweder einen neueren USB-Stick entsprechend präparieren, oder alternativ einen sehr alten Stick mit max. 2 Gigabyte finden müssen. Gut, dass wir im Hause retrololo sind, denn hier gibt es (neben mir selbst) noch ein paar weitere, ältere Exemplare! 😛
Fun Fact: Zumindest zwei der drei hier gezeigten Sticks sollten treuen Lesern vielleicht noch aus den Artikeln 10 und 67 bekannt vorkommen! 😉

Mit einem 128 MB, einem 256 Megabyte und einem 2 Gigabyte-Stick sollten wir gut gerüstet sein. Probieren wir es vielleicht zuerst mit der freizügigen Prinzessin. Satte 128 MB hält sie für uns parat!

Tatsächlich wird der Stick beim Systemstart erkannt und als Laufwerk E:\ eingebunden:

Auch ein Zugriff darauf funktioniert problemlos:

Damit können wir jetzt die in Artikel 343 gesammelten MIDI-Dateien bequem auf den PC übertragen:
Not so fun Fact: Ich gebe es zu: Die Geschwindigkeit, in der die Daten dann unter MS-DOS gelesen werden, lässt etwas zu wünschen übrig. Je nach verwendetem Stick und Struktur der Daten ist man irgendwo bei 10 bis 25 Kilobyte pro Sekunde. Geduld du haben musst, wie Yoda sagen würde! 😉

Was dafür sehr cool ist: Der Stick kann sogar – wie bei einem modernen Betriebssystem – zur Laufzeit entfernt und gewechselt werden. Ich hätte nicht gedacht, dass so was unter MS-DOS möglich ist!

Bei sehr kleinen Sticks (bis 512 Megabyte) klappt das alles prima, allerdings wird der 2 Gigabyte große Stick nicht, bzw. nicht richtig erkannt.

An der Hardware liegt es diesmal nicht, denn der Stick ist sauber mit einer einzigen FAT16-Partition formatiert. Somit bleibt nur noch die Software als Fehlerquelle. Der folgende Fakt lässt sich leider nicht schonend beibringen, aber damit bis zu 2 Gigabyte große Sticks verwendet werden können, muss eine ältere (!) Treiberversion (Version 1.9A), als die auf der CD empfohlene, neuere Version 2.0A verwendet werden. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich IT hasse? 😀
Not so fun Fact: Ebenso ist es von der Betriebssystemversion abhängig, wie groß die Partition auf einem Datenträger sein darf. Bis zu MS-DOS 3.0 konnte eine FAT-Partition z.B. nur 32 Megabyte groß sein. Mit DOS 3.31 waren es 512 MB und seit MS-DOS 4.0 werden 2GB große Partitionen unterstützt.

Möchte man auf solche Spielchen verzichten, sollte man gleich auf eine, von Enthusiasten entwickelte, neuere Treiberversion zurückgreifen. Diese unterstützt grundsätzlich Sticks bis 2 Gigabyte und erhöht auch die Übertragungsgeschwindigkeit gewaltig. So lassen sich – abhängig vom verwendeten System und USB-Stick – bis zu 450 Kilobyte pro Sekunde erreichen. Auf dem Olivetti-PC mit seiner 80286-CPU kommen wir immerhin auf ca. 250 bis 350 Kilobyte. In jedem Fall deutlich schneller und erträglicher, als mit dem originalen Treiber! 😉
Fun Fact: Auf einem älteren XT-System mit 8080-Prozessor wären es nur ca. 125 bis 150 kB/Sekunde.

Um die Karte etwas fester im PC verankern zu können, hat mir der gute Max noch ein passendes Slotblech mit dem 3D-Drucker erstellt. Mit zwei kleinen Schrauben und Muttern können wir die Plastikleiste an der Platine verankern.

So sollte sich die Karte etwas bequemer einbauen, bzw. aus dem jeweiligen System entfernen lassen. Praktisch!

Ende gut, alles gut. Ich bin echt happy, dass wir mit dem ISA-to-USB-Adapter eine vergleichsweise einfache Möglichkeit gefunden haben, auch größere Datenmengen auf ältere PC-Systeme zu bringen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich das Ding auch in Zukunft noch häufiger zur Datenübertragung bei dem ein oder anderen alten Rechner verwenden werde! 🙂
In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!