#346 – Das Wii U Aroma

#346 – Das Wii U Aroma

Ahhhh, hier duftet es richtig herrlich nach… Wii U!

Bild_1

Die Wii U. Neben dem Virtual Boy ist Nintendos Heimkonsole der achten Generation das schwarze Schaf der ansonsten so erfolgsverwöhnten Japaner. Gerade nach dem Erfolg der Wii, galt die Wii U als ein katastrophaler Flop. Dennoch war das „Project Café“ (so wurde die Wii U während der Entwicklungsphase genannt) wichtig, um die hybriden Fähigkeiten (Kombination aus Handheld- und TV-Gerät) einer Konsole zu testen und so letztendlich den Weg für die Nintendo Switch zu ebnen.

Bild_2

Warum die Konsole letztendlich floppte liegt auf der Hand. Katastrophales Marketing, eine für die damalige Zeit eher schwachbrüstige Hardware und eine recht magere Spielbibliothek. Das innovative Konzept wurde einfach nicht entscheidend genug bei der Entwicklung von Spielen umgesetzt und noch deutlich schlechter dem Kunden verkauft. Man hatte den Eindruck, keiner (nicht mal Big N selbst), wusste so recht, was er mit der Wii U anstellen soll und so ist die Konsole einfach nie so recht beim Verbraucher angekommen. Passend dazu wurden 2024 die Online-Services der Wii U abgeschaltet. Als Konsequenz daraus sind Spiele, welche auf Online-Funktionalität angewiesen sind, nicht mehr spielbar. Rest in Peace, Wii U!

Bild_3

Echt schade, denn eigentlich ist die Wii U gar nicht so übel. Technisch betrachtet besitzt die Konsole einen 1,24 GHz Drei-Kern-Prozessor (32 Bit), 2 Gigabyte DDR3-RAM, eine AMD-Grafikkarte sowie 32 Gigabyte verbauten Flash-Speicher für Spiele und Spielstände. Standardmäßig hat die Wii U WLAN- und Bluetooth mit an Bord und es stehen insgesamt vier USB 2.0-Ports zum Anschluss von Peripheriegeräten wie z.B. einem Ethernet-Adapter, dem GameCube-Controller-Adapter oder einer USB-Festplatte zur Erweiterung des Systemspeichers zur Verfügung. Eigentlich eine interessante Architektur!

Fun Fact: Für die Sparfüchse unter euch: Wusstet ihr, dass die Wii U nur ca. ein Viertel des Stroms im Vergleich zu Playstation 4 und Xbox One verbraucht? Na, wenn das mal kein Grund ist zu der Konsole mit den vielen Vokalen im Namen zu greifen! 😉

Bild_4

Eine Sache, die mich aber immer gestört hat, ist das Format, in dem Spiele für die Konsole vertrieben wurden. Prinzipiell bin ich ja ein Fan von physischen Datenträgern, weil man diese einerseits gebraucht kaufen bzw. verkaufen kann und andererseits die Spiele auch nach Abschaltung von Online-Diensten weiterhin gespielt werden können. Leider ist Nintendo dafür bekannt, auf proprietäre Datenträger zu setzen. So auch bei der Wii U. Bei den Scheiben, auf denen Spiele vertrieben wurden, handelt es sich um spezielle Versionen von BluRay-Discs. Analog dem für Filme konzipierten Standard können die Disks bis zu 25 Gigabyte fassen, sind aber nicht mit im Handel erhältlichen BluRay-Laufwerken und -Abspielgeräten kompatibel.

Bild_5

Das klingt an und für sich erst mal nicht schlimm und wenn man ehrlich ist, kann man schon verstehen, warum Nintendo das so gemacht hat. Jeder Hersteller will seine Technik so gut es geht vor Kopieraktionen durch Hobby-Piraten schützen. Das ist auch nicht der Punkt, der mich an den Möchtegern-BluRays so stört. Viel schlimmer finde ich, dass Wii U Disks extrem anfällig für Fehler sind. Einerseits ist „Disc Rot“ (chemische Reaktionen an der reflektierenden Schicht der Disk, z.B. verursacht durch UV-Licht oder minderwertige Materialien während der Herstellung) ein Thema, andererseits sorgen bereits minimale Kratzer auf den Disks dafür, dass sie von der Konsole nicht mehr erkannt werden. Das ist zwar bei allen optischen Datenträgern so, aber bei der Wii U scheint das Problem besonders stark vorhanden zu sein. Sehr ärgerlich, denn im dümmsten Fall, lassen sich so selbst in Hüllen aufbewahrte, ideal gelagerte Disks, bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lesen.

Bild_6

Das dürfen wir nicht zulassen! Wir müssen es irgendwie schaffen, die Daten der Disks zu sichern und der Wii U auf anderem Wege zuzufüttern. Schließlich muss sichergestellt sein, dass auch noch Generationen nach uns die Möglichkeit haben, Wii U zu spielen! 😛 Vielleicht können wir der betagten Konsole mit Hilfe eines Jailbreaks ein paar neue Tricks, wie z.B. das Abspielen von Spielen von einem auf Flash-Speicher basierenden Datenträger (USB-Stick oder Festplatte) beibringen? Tatsächlich gibt es da eine Möglichkeit: Das Zauberwort zum Tunen unserer Wii U heißt „Aroma“.

Bild_7

Aroma ist eine Homebrew-Umgebung für die Wii U und stellt eine Custom Firmware sowie einen Module- und Plugin-Loader bereit, mit dem die Konsole um neue Features erweitert werden kann. Im Vergleich zu den Kopfständen, die wir beim 2DS (siehe Artikel 182) und New Nintendo 2DS XL (siehe Artikel 183) machen mussten, lässt sich die Wii U erstaunlich leicht mit einem Jailbreak versehen. Letztendlich benötigen wir dafür lediglich eine SD-Karte, eine Internetverbindung sowie die Software „Aroma“. Als erstes müssen wir die Aroma-Installationsdateien herunterladen und auf eine SD-Karte kopieren:

Bild_8

Apropos SD-Karte – das habe ich bei der Aufzählung der technischen Details glatt vergessen! Die Wii U besitzt auch einen SD-Kartenslot, welcher sich an der Vorderseite der Konsole hinter einer Klappe versteckt. Leider lassen sich technisch bedingt auf einer SD-Karte keine Spiele oder Spielstände ablegen, aber zumindest können wir die SD-Schnittstelle zum Einspielen von Aroma verwenden! 😉

Bild_9

Mit eingesteckter SD-Karte in der Wii U müssen wir im Internetbrowser die URL „wiiuexploit.xyz“ aufrufen und auf den Button „Run Exploit!“ drücken. Parallel dazu muss der „B“-Knopf auf dem Gamepad der Wii U gedrückt gehalten werden.

Bild_10

Dadurch landen wir im EnvironmentLoader, mit welchem wir als erstes mal ein Backup des in der Wii U verbauten Flashspeichers machen sollten. Damit lässt sich der Systemspeicher (wenn auch nur sehr umständlich) wieder reparieren, sofern wir mit der Custom Firmware irgendetwas kaputt machen. 🙂

Not so fun Fact: An dieser Stelle kann ich nur darauf hinweisen, wie wichtig Backups sind! Möchtet ihr selbst versuchen, eine Konsole mit einer Custom Firmware zu versehen, solltet ihr unbedingt vorab prüfen, ob die Konsole nicht ggf. schon mal (z.B. von einem Vorbesitzer) gehackt wurde. Ist das der Fall, muss man extrem vorsichtig sein und den vorherigen Jailbreak rückstandslos entfernen. Tut man das nicht, kann man sich ganz schnell die Konsole „bricken“. Ist die Firmware erst mal zerschossen, kann man nur hoffen, ein funktionsfähiges Backup zu haben, sonst war es das!

Bild_11

Nach einem Reboot der Konsole rufen wir nun erneut den Browser auf und starten den Exploit mit gedrückter „X“-Taste. Dadurch landen wir in einem Menü, über welches wir die Aroma-Firmware laden und starten können.

Bild_12

Ein paar Klicks später wird unsere Konsole tatsächlich zum ersten Mal mit der Aroma-Firmware gestartet. Optisch erinnert die Oberfläche sehr stark an das offizielle Betriebssystem, allerdings sind ein paar Anwendungen wie z.B. ein Update-Programm für Aroma oder das Installationsprogramm, mit welchem man die Custom Firmware dauerhaft installieren kann, dazugekommen.

Bild_13

Genau das sollten wir als nächstes tun. Über den „Payload-Loader Installer“ wird Aroma dauerhaft auf der Konsole installiert. Damit das klappt wird letztendlich die App für Gesundheits- und Sicherheitshinweise durch die Aroma-Firmware ersetzt. So richtig schlimm ist das nicht, denn wenn man ehrlich ist, hat diese App vermutlich sowieso noch nie jemanden interessiert! 😀

Bild_14

Damit unsere Wii U die Aroma-Firmware aromatisch, ähm, ich meine natürlich automatisch beim Start der Konsole lädt, müssen wir abschließend über das Installationsprogramm noch die Bootpräferenzen entsprechend anpassen:

Fun Fact: Die folgenden Informationen sind vermutlich für den „Zukunfts-retrololo“ wichtig! 😛 Möchte man zu einem späteren Zeitpunkt in den EnvironmentLoader einsteigen, muss man beim Start der Konsole die „X“-Taste gedrückt halten. Um die Bootpräferenzen der Aroma-Firmware nachträglich anzupassen, muss man den Start-Knopf („+“) während des Bootvorgangs oder beim Öffnen der App für Gesundheits- und Sicherheitshinweise gedrückt halten. Das Menü zum Erstellen eines Backups des System-NANDs erscheint, wenn man beim Start der Konsole „B“ gedrückt hält. Gut zu wissen! 🙂

Bild_15

Damit wäre die Konsole grundsätzlich „gehackt“. So richtig viel kann man ohne passende Module oder Homebrew-Anwendungen aber noch nicht anfangen. Besser wir installieren gleich noch den „Homebrew App Store“. Dafür müssen erneut ein paar Dateien heruntergeladen und auf die SD-Karte gepackt werden. Dadurch taucht der Homebrew App Store als Anwendung im Wii U Menü auf:

Bild_16

Mit Hilfe des App Stores lassen sich nun zahlreiche Plugins für Aroma oder weitere Hombrew-Anwendungen herunterladen. Die Möglichkeiten sind gefühlt endlos. Von einem FTP-Server zur Dateiübertragung, über modifizierte Bluetooth-Treiber, mit denen sich auch andere Controller an der Wii U betreiben lassen, bis hin zu eigenen, von Fans erstellten Spielen, findet sich hier fast alles.

Bild_17

Zur Lösung unseres Problems (Digitalisierung der Wii U Disks) sind die Anwendungen „WUDD“ und „WUP-Installer GX2“ von Relevanz. Mit WUDD lassen sich die Spiele von den Disks dumpen, d.h. in digitaler Form auf der SD-Karte speichern. Der Vorgang ist leider recht zeitaufwändig und ich erspare euch die Details. Immerhin haben sich bis auf eine einzige, schon recht zerkratzte Disk, alle meine Wii U Spiele noch auslesen lassen! 🙂

Bild_18

Soweit so gut, doch was machen wir nun mit den gesicherten Spieldaten? Im Endeffekt handelt es sich dabei lediglich um Installationsdateien, welche wir nun in den Systemspeicher der Wii U oder alternativ auf einen USB-Datenträger installieren müssen. Da der Systemspeicher meiner Konsole schon mit den beiden Spielen „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ und „Yoshi’s Woolly World“ belegt ist…

Bild_19

…brauchen wir wohl einen USB-Datenträger. Leider ist die Wii U extrem zickig, was USB-Festplatten angeht, da die verbauten USB-Ports einfach nicht genügend Strom liefern. Entweder man nimmt eine Festplatte mit externer Stromversorgung oder greift zu Tricks wie z.B. dieser 160 GB großen USB-Festplatte mit Y-Kabel!

Bild_20

Mit dem Strom von zwei USB-Ports läuft die Platte tatsächlich recht zuverlässig. Bevor wir sie nutzen können, müssen wir das gute Stück von der Wii U entsprechend formatieren lassen:

Bild_21

Jetzt können wir endlich die gesicherten Spieldateien mit dem WUP-Installer GX2 von der SD-Karte auf die USB-Festplatte installieren. Die Software finden wir im Homebrew-App Store zum Download:

Bild_22

Selten habe ich so eine intuitive Software gesehen, da könnten sich Microsoft & Co. gerne mal eine Scheibe von abschneiden! 😉

Not so fun Fact: Über diesen Weg lassen sich alle, von den Wii U Disks gesicherten Spiele installieren. Für einige Hombrew-Anwendungen oder die im eShop heruntergeladenen Wii U-Titel werden spezielle Signaturpatches benötigt. Was es damit auf sich hat und wie man diese einspielt, würde an der Stelle zu weit führen. Da wir nur die Daten, welche wir zuvor von den Wii U Disks gesichert haben verwenden, interessiert uns das aber sowieso nicht. 🙂

Bild_23

Kaum haben wir das Installationsprogramm beendet, erscheinen die installierten Spiele (wie in diesem Fall z.B. „Super Mario Maker“) auf dem Startbildschirm. Ein Klick darauf zeigt, dass das Spiel problemlos läuft. Sehr schön!

Bild_24

Endlich können wir Wii U Spiele zocken, ohne dass wir auf die alternden Spiele-Disks angewiesen sind. Ist das nicht cool? Nach diesem Schema habe ich noch ein paar weitere, zuvor von den Discs gesicherte, Spiele installiert:

Bild_25

Besonders „Yoshi’s Woolly World“ hat es mir angetan. Der gestrickte, wollige Look hat einfach etwas und sind wir mal ehrlich – Yoshi ist einfach ein verdammt putziger Dinosaurier! 🙂

Bild_26

Neben dem Abspielen von Wii U Games können wir unserer gepimpten Wii U auch Spiele anderer Konsolen unterjubeln. Das Gerät entpuppt sich dabei als ein richtiges „Hombrew-Biest“ und kann z.B. auch Spiele von Konsolen wie NES, SNES, N64, GBA oder sogar der Wii emulieren.

Fun Fact: Theoretisch könnte man auch eShop-Titel für Nintendo DS oder PC Engine (TurboGrafx-16) herunterladen. Mit „Retroarch“ könnte man sogar ein ganzes Emulations-Framework auf der Wii U installieren, mit welchem sich noch Emulatoren zahlreicher weiterer Systeme zum Laufen bringen lassen würden. Darauf wollen wir aber heute mal verzichten. Man muss wissen, wann es genug ist! 😀

Bild_27

Alles in allem bin ich froh, dass wir uns um das vermeintlich schwarze Schaf der sonst so glorreichen Nintendo-Konsolenserie gekümmert haben. Auch wenn der Wii U nicht der durchschlagende Erfolg vergönnt war, finde ich trotzdem, dass es eine innovative Konsole ist, die definitiv einen Platz im Regal verdient hat. Ohne Wii U hätte es vermutlich keine Nintendo Switch – oder zumindest nicht in Form einer vergleichsweise ausgereiften Hybridkonsole – gegeben. Danke, Wii U! 🙂

Bild_28

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!

Kommentar verfassen