#359 – Modulpusten

#359 – Modulpusten

Es gibt Tage, an denen vermisse ich meine Jugend. Gerade die Jahre rund um den Eintritt in die Pubertät hatten es echt in sich und blieben in guter Erinnerung. Die Haare wurden gegelt, der Eastpack saß lässig auf den Schultern und die goldene Pokémonedition steckte im Game Boy Color. Im Fernsehen gab es noch richtige Musik auf VIVA und MTV zu sehen, bzw. zu hören. Alternativ liefen Sitcoms wie King of Queens, Scrubs, How I Met Your Mother oder Two and a Half Men in Dauerschleife. Nicht selten war das Highlight des Tages ein ICQ-Chat mit der Angebeteten. Ach, die gute alte Zeit.

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Und wie sah es an der Gaming-Front aus? Videospiele wurden noch auf physischen Datenträgern gekauft und nicht aus dem Internet heruntergeladen. Für die Generation Alpha unter euch: Konkret hieß das, dass man ein Spiel noch vollständig zu einhundert Prozent selbst besaß und theoretisch (sofern es das Elternhaus und die Freizeit neben den schulischen Verpflichtungen zuließ) zu jeder Tages- und Nachtzeit spielen konnte – und das ganz ohne Internet, Abonnements und In-Game-Käufen. Klingt verrückt, ich weiß!

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Ok, ich gebe es ja zu. Durch das Internet und dem Aufkommen von digital vertriebenen Spielen ist die Welt für Gamer schon ein gutes Stück einfacher geworden. Zocken mit der halben Welt? Kein Problem. Updates und neue Funktionen per Knopfdruck aus dem Internet laden? Läuft. Klar gibt es auch Schattenseiten wie z.B. mehrere Gigabyte große First Day Patches oder das nervige Konsolenupdate, das immer dann kommt, wenn man eigentlich nur mal kurz ein bisschen zocken möchte.

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Insgesamt betrachtet, überwiegen aber schon die Vorteile und ich denke, dass für einen Großteil der Spieler zocken ohne Internet gar nicht mehr denkbar wäre. Dennoch gibt es Dinge, die ich vermisse. Videospielmodule zum Beispiel! Ihr glaubt mir nicht? Dabei habe ich doch extra eine kleine Collage mit ein paar Nintendo-Cartridges erstellt! 😀

Fun Fact: Dieses „3D-Bild“ wurde größtenteils aus Überbleibseln vergangener Projekte zusammengebastelt und soll den Werdegang von modulbasierten Nintendo-Spielen – vom NES bis zur Switch – darstellen. Schon verblüffend, wenn man bedenkt, dass ein NES-Modul durchschnittlich nur 256 Kilobyte an Daten beinhaltet, ein Switch-Spiel dagegen ca. 10 Gigabyte. Tja, es kommt eben nicht immer auf die Größe an! 😛

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So richtig kann ich gar nicht sagen, warum mir die auf ROM-Chips basierenden Spielmodule so gut gefallen. Vielleicht ist es die Tatsache, dass die meisten Cartridges recht robust gebaut sind und so die Spieldaten deutlich länger halten, als z.B. optische Datenträger. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur an dem klackenden Geräusch, wenn man z.B. ein Game Boy Spiel einsteckt oder ein Supernintendo-Spiel per Auswurfknopf aus der Konsole springen lässt. Einfach nur cool! 🙂

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Eine Sache, an die man sich auch definitiv erinnert, sofern man schon mal etwas mit Videospielmodulen zu tun gehabt hat, ist das Modulpusten!

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Gebt es zu – jeder von euch hat es gemacht! 😛 Auch wenn es eigentlich völlig sinnfrei und sogar kontraproduktiv ist! Klar besteht die Möglichkeit, durch den Vorgang des Blasens Staub- und Dreckpartikel von den Kupferkontakten eines Moduls zu entfernen und so das Spiel zum Start zu bewegen. Allerdings ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass ein fehlerhafter Spielstart nicht an verdreckten Kontakten, sondern eher einem nicht optimal eingestecktem Modul liegt. Ebenso wird durch das Pusten Feuchtigkeit auf die Kontakte gebracht, was langfristig zu Korrosion führen kann.

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Jedem Gamer, dem der Zustand seiner Videospielmodule am Herzen liegt, weiß, dass es besser ist, die Steckkontakte mit etwas Isopropylalkohol und ein paar Wattestäbchen zu reinigen.

Fun Fact: Bei besonders starker Verschmutzung kann es auch hilfreich sein, die Kontakte vorab mit einem Radiergummi zu säubern. Hätte nie gedacht, mal etwas über Putztipps zu schreiben! 😀

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Trotzdem – das „Modulpusten“ ist Kult und irgendwie gehört es zum vollen Retro-Spielerlebnis ja auch dazu. Das bringt mich auf eine Idee… Erinnert sich noch jemand an das hier?

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Dieses Plastikgehäuse einer NES-Cartridge ist bei der Bastelei in Artikel 281 übriggeblieben. Da sich keine Platine mehr darin befindet, können wir so viel wir wollen in die das Modul pusten, ohne irgendetwas zu beschädigen:

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Schön und gut, aber was soll das bringen? So ganz ohne den eigentlichen Sinn der Reinigung eines dreckigen Stücks macht auch das Blasen auf Dauer keinen Spaß! 😛

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Wie gut, dass es Dinge gibt, die sich mit etwas Luftstrom zum Leben erwecken lassen. Wie die Töne einer Mundharmonika zum Beispiel!

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Wäre es nicht eine lustige Idee, die Mundharmonika in das NES-Modul einzubauen, um dann durch „Modulpusten“ ein paar Töne auf dem Ding zu spielen? Ich finde schon! 😀

Fun Fact: Das Internet ist voll von schrägen Leuten und so wundert es nicht, dass schon mal jemand vor mir diese Idee hatte! xD

Damit das klappt, müssen wir das Musikinstrument so weit es geht auseinandernehmen, ohne die eigentliche Funktion der Durchschlagzungen zur Klangerzeugung zu beeinträchtigen.

Fun Fact: Das ist sicher kein Geheimnis, aber ich erwähne es trotzdem gerne nochmal: Ich versuche mich bei jedem Beitrag immer etwas in die Hintergründe der verwendeten Bauteile und Materialien einzulesen. Einerseits ist das notwendig, um nicht irgendeinen Blödsinn zu schreiben und andererseits macht die Recherche eigentlich so gut wie immer Spaß, weil man nebenbei auch noch was lernt. Mir war z.B. nicht klar, wie eine Mundharmonika im Detail funktioniert! 🙂

Ebenso müssen wir die beiden Gehäusehälften des Spielmoduls etwas mit Dremel und Feile bearbeiten, damit der „Mundhobel“ auch wirklich darin Platz findet.

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Um den eingehenden Luftstrom noch etwas zu optimieren (und so lautere, bzw. klarere Töne erzeugen zu können), macht es Sinn, den Spalt zwischen Musikinstrument und Gehäuse mit etwas doppelseitigem Klebeband oder Teflon abzudichten.

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Und schon ist unsere „NES-Mundharmonika“ fertig. Von außen unscheinbar…

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…aber es zählen ja die inneren Werte! 😉

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Tatsächlich lässt sich auf dem Ding auch einigermaßen spielen – sofern man denn Mundharmonika spielen kann. Ich kann es nicht, darum sparen wir uns an dieser Stelle eine Hörprobe, sorry! Das macht aber nichts. Schließlich haben wir einen musikalisch äußerst begabten Aquarianer bei uns im Haus, der prima damit umgehen kann! 😛

Fun Fact: Wusstet ihr, dass dieser von einem schwedischen Einrichtungskonzern stammende Blauhai international berühmt ist? Gerade in der LGBT- und Transgender-Community gilt der Meeresbewohner auf Grund seiner ähnlichen Farben zur Transgender-Pride-Flagge als Ikone. Auch im Rahmen einer Werbeaktion für die Schweizer Volksabstimmung über die „Ehe für alle“ trat der Allesfresser als Maskottchen auf. Eine echte Legende, dieser Hai!

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Um noch besser auf der Mundharmonika spielen zu können, müsste das Mundstück vermutlich etwas weiter außen liegen. Dann würde man aber sofort sehen, dass etwas mit dem Modul nicht stimmt und das würde den Überraschungseffekt zerstören, wenn man unverhofft hinein pustet. Das können wir nicht machen, denn schließlich gibt es kaum etwas schöneres, als ein paar fragende Blicke im Bekanntenkreis zu ernten, wenn man in ein altes Videospiel pustet und dabei ein paar Töne rauskommen! xD

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In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!

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