ICH HASSE OPTISCHE LAUFWERKE!

Damit ist eigentlich alles gesagt und wir können den heutigen Beitrag auch schon wieder beenden. Okay, es ist wohl eine Erklärung von Nöten. Eigentlich habe ich ja gar nichts gegen die „Scheibenfresser“. Es ist vielmehr deren fragile Bauweise, die mir auf den Keks geht. Im Vergleich zu modernen, Flash-basierten Datenträgern sind CDs, DVDs und Blu-rays sowie deren Laufwerke extrem anfällig für Fehler durch Verschmutzungen, Kratzer, Temperatur oder sonstige äußere Einflüsse.

Selbst im Vergleich zu den ollen Diskettenlaufwerken (bei denen eher die Datenträger das Problem waren) schneiden optische Laufwerke schlecht ab. Es kommen einfach viel zu viel mechanische Bauteile zum Einsatz. Erst muss ein Laufwerksschlitten bewegt und anschließend die zu lesende Scheibe gedreht werden. Dann muss ein Laser so filigran positioniert und justiert werden, dass er die minimalen Vertiefungen auf dem optischen Datenträger erkennt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das alles so im Zusammenspiel perfekt funktioniert ist gering, vor allem wenn die Geräte älter werden.
Gerade bei CD- oder DVD-basierten Videospielkonsolen ist das Thema optische Laufwerke ein riesiges Problem. Im Vergleich zu PC-Systemen lassen sich hier häufig keine Ersatzteile mehr auftreiben und Laufwerke müssen – sofern überhaupt möglich – aufwändig repariert werden. Einer dieser Kandidaten ist diese Playstation 2:

Erinnert ihr euch noch an das Gerät? Das gute Stück haben wir in Artikel 60 kennengelernt und in Artikel 62 mit einer Festplatte beglückt. Dank der Software Free McBoot, bzw. den Tools „FHDB“ und „OPL“ können wir Spiele von der in der PS2 verbauten Festplatte abspielen.

Eigentlich ein schickes Teil, doch leider liest die Konsole seit einiger Zeit keine Scheiben mehr. Weder PS1- noch PS2-Spiele werden erkannt. Woher ich das weiß? Ich habe es mit zahlreichen, unterschiedlichen Disks probiert…

Schuld daran ist natürlich das verbaute Laufwerk und mutmaßlich sorgt ein verschlissener, verdreckter oder nicht ideal justierter Laser für den Fehler. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr es mich davor graust, das Ding zu öffnen. Solche Laufwerksreparaturen sind meist ziemlich fummelig und leider auch eher selten von Erfolg gekrönt.

Dennoch wollen wir es mal probieren. Aktuell ist das Laufwerk ja eh schon mehr oder weniger defekt, also kann nicht viel schief gehen. Dafür wird der Patient erst mal auf den Bauch gelegt.

Bevor wir die Konsole öffnen, sollten wir die verbaute Festplatte samt SATA-Adapter entfernen:

Anschließend können die Gummifüße auf der Unterseite entfernt und das Gehäuse aufgeschraubt werden. Da unterschiedliche Schrauben zum Einsatz kommen, sollten wir genau aufpassen, wo welches Teil hin kommt.
Not so fun Fact: Tatsächlich fehlte unter einer der Abdeckungen eine Schraube. Es sieht so aus, als wäre schon mal jemand vor uns an dem Gerät gewesen. Ich war es nicht – ich schwöre es! 🙂

Schon ist der Deckel ab. Puh, hier müsste dringend mal wieder geputzt werden. Man merkt an einigen Stellen wie dreckig und staubig die Konsole nach Jahren der Nutzung ist.

Ich habe nicht vor das Ding komplett zu zerlegen, aber wenn wir die Konsole schon mal offen haben, sollten wir zumindest die offensichtlichen Stellen – wie z.B. den völlig verdreckten Lüfter – etwas reinigen.

Zurück zum Laufwerk. Eine darüber liegende Abdeckung, welche die eingelegte Scheibe in Position hält, ist mit vier weiteren, recht kleinen Schrauben am Laufwerk verankert.

Das Laufwerk selbst ist ähnlich dreckig wie der Rest der Konsole. Kein Wunder, dass sich der Laser schwer tut:

Auch hier sollten wir die schlimmsten Stellen säubern. Um an alle Teile heran zu kommen, müssen wir der Konsole Strom geben und den Laufwerksschlitten herausfahren lassen.

Ob es mit einer einfachen Reinigung des Lasers mit einem Wattestäbchen und etwas Isopropylalkohol getan ist?

Leider nein, denn beim Versuch ein PS2-Spiel abzuspielen, bekommen wir immer noch einen hässlichen „Disc read error“:

Und jetzt? Ein Ersatzteil aufzutreiben könnte schwierig werden. Gerade für das „fette“ Modell der PS2 gibt es kaum noch Laser zu kaufen und wenn dann kosten sie so viel, dass man gleich eine andere Konsole kaufen kann. Geschlagen geben wollen wir uns aber noch nicht. Es gibt nämlich noch eine Möglichkeit, wie wir den Laser wieder auf Touren bringen könnten.

Jeder Laser besitzt in der Regel Potentiometer, mit welchen sich die Intensität des Lasers einstellen lässt. Wir können also versuchen, den Laser etwas zu justieren, in der Hoffnung, dass er dann wieder Scheiben liest. Leider geht das nur, wenn die Lasereinheit vollständig ausgebaut ist. Damit das klappt, müssen zwei Schrauben gelöst werden. Anschließend kann die Einheit von den Führungsschienen entnommen werden.

Als letzter Schritt muss noch das Flachbandkabel gelöst werden. Dabei ist höchste Vorsicht geboten, nicht die Nasen an der schwarzen Halterung abzubrechen. Mir ist das mal bei einem Gerät passiert und diese Teile lassen sich (wenn überhaupt) nur sehr schwer ersetzen.

Der Laser der PS2 besitzt zwar nur eine Linse aber dafür zwei Laserdioden. Eine wird zum Lesen von PS1-Spielen (CDs) und die andere zum Lesen von PS2-Spielen (DVDs) verwendet. Passend dazu finden sich auf der Rückseite der Lasereinheit zwei Potentiometer (regelbare Widerstände) mit welchen eingestellt wird, wie viel Strom die jeweilige Laserdiode bekommt. Je stärker der Laser eingestellt ist, desto besser sind die Lese-Eigenschaften. Je größer die Intensität, desto geringer ist aber auch die Lebensdauer des Lasers. Dementsprechend sollten wir nur ganz vorsichtig an den Schrauben drehen.

Um nicht komplett blind auf Verdacht an den Potentiometern herumzuspielen macht es Sinn den Widerstand zu messen. Gute Richtwerte sind irgendwas zwischen 700 und 1100 Ohm. Trotzdem müssen wir aufpassen, den Vorwiderstand nicht zu stark zu reduzieren (DVD nicht kleiner als 725 Ohm und CD nicht weniger als 650 Ohm), da sonst zu viel Strom am Laser anliegt und die Wahrscheinlichkeit, dass er in kürzester Zeit hops geht, hoch ist. Letztendlich habe ich mich für die Werte 880 (DVD) und 840 (CD) Ohm entschieden.

Jetzt müssen wir den Laser eigentlich nur wieder einbauen, die Abdeckung des Laufwerks aufsetzen und beten, dass das Ding noch funktioniert! 😀

YES! Tatsächlich scheint die Konsole jetzt wieder Spiele zu lesen:

PS1-Spiele werden sofort gelesen, bei DVD-basierten PS2-Titeln tut sich die Konsole schwerer und es dauert etwas länger, bis ein Spiel startet. Unabhängig davon wurden alle von mir getesteten Scheiben erkannt und es gab auch keine Ruckler während den Ladevorgängen.

Ich denke mit dem Stand kann ich gut leben und viel mehr möchte ich auch gar nicht an dem Laser herumspielen. Ich bin echt happy, dass wir es geschafft haben, das Ding zu reparieren. Es wäre viel zu schade gewesen, die ansonsten voll funktionsfähige PS2 als Teilespender zu missbrauchen. Jetzt kann man nur hoffen, dass der Laser die nächsten Jahre ordnungsgemäß seinen Dienst verrichtet.

Trotzdem ändert das nichts an meiner Abneigung gegenüber optischen Laufwerken. Mit diesen Dingern hat man irgendwie immer nur Probleme! 😀
In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!