#385 – Datenstöbern feat. Quantum FIREBALL

#385 – Datenstöbern feat. Quantum FIREBALL

Wisst ihr, was mir wirklich viel Spaß bereitet? Ich liebe es, mich mit alten Datenträgern und generell alten Daten zu beschäftigen. Kein Wunder, man nennt mich nicht umsonst den „Jäger der verlorenen Daten“! 😛

Ok, ihr habt mich erwischt. So nennt mich tatsächlich niemand. Allerdings müsst ihr zugeben, dass wir uns bereits im Rahmen zahlreicher Beiträge auf dem retrololo-Blog mit veralteten Datenträgern wie Festplatten, Disketten oder CDs sowie der Rettung von Daten von selbigen beschäftigt haben. Ich weiß nicht genau, warum mich das alles so fasziniert. Vielleicht ist es die Tatsache, dass „Daten“ letztendlich nur ein paar Nullen und Einsen sind, aber gleichzeitig doch so viel persönliche Werte und Erinnerungen repräsentieren können. Vielleicht ist es auch das Durchstöbern und Entdecken, das mich begeistert. Die digitalen Ausgrabungen fühlen sich manchmal fast so an, als würde man in einem alten Schrank oder Koffer wühlen und ein paar lange nicht getragene Kleidungsstücke oder Mitbringsel aus dem Urlaub finden. Scheinbar wühle ich einfach gerne in irgendwelchen Dingen. Ist das noch normal oder gilt das schon als Störung? 😀

Bin ich deswegen ein Datendieb, der auf der Suche nach persönlichen Informationen ist? Diese Frage muss ich ganz klar verneinen. Ich sehe mich mehr als „Datenforscher“, dem es einfach Spaß macht, auf die Suche nach verschollenen Relikten zu gehen. Persönliche Dinge wie Bilder oder Videos könnten mir nicht egaler sein. Einerseits möchte ich stets die Privatsphäre der Person, welche mir die Daten anvertraut hat, wahren, andererseits interessiert mich viel mehr, ob sich auf Datenträgern noch alte Software und technische Erinnerungen aus vergangenen Tagen finden lassen, die es so in der Form nicht mehr gibt. Vielleicht ist auch Nostalgie ein Faktor. Wer hat nicht schon einmal lächeln müssen, wenn er z.B. den Screenshot eines PC-Programms aus seiner Jugend gesehen hat? 🙂

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Und genau darum soll es heute gehen – dem Durchstöbern von ein paar alten Daten. Aber fangen wir von Vorne an. Neulich habe ich bei einem Kumpel dieses Schmuckstück mitgenommen:

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Wow, was für eine Schönheit! 🙂 Diese 3,5“-Festplatte vom Typ „FIREBALL TM“ stammt aus dem Hause Quantum und wurde 1997 in Irland hergestellt. Das Modell vom Typ „TM3200A“ wird über eine ATA-2-Schnittstelle (IDE-Kabel) angeschlossen, läuft mit 4500 Umdrehungen pro Minute und bietet Platz für ganze 3,2 Gigabyte an Daten!

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Interessant finde ich die Positionierung der Jumper, mit welchen sich festlegen lässt, ob die Platte als Master oder Slave läuft. Diese befinden sich nämlich auf der Unterseite und fallen zwischen den ganzen anderen Chips kaum auf:

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Die Festplatte gehörte wohl einem verstorbenen Bekannten und wäre beinahe im Müll gelandet. Gut, dass wir das verhindert haben! 😉 Natürlich kann ich es kaum erwarten, mir das Ding etwas genauer anzusehen. Dafür benötigen wir einen entsprechenden USB-Adapter samt Netzteil.

Fun Fact: Dieser USB-Festplattenadapter vom Typ „PX-3130“ der Marke „c-enter“ (tatsächlich ist der Hersteller die PEARL GmbH) ist cool, weil er mit einem externen Netzteil geliefert wird, welches zwei Stromanschlüsse für IDE- (Molex-Buchse) sowie SATA-Laufwerke besitzt. Besonders faule Archivare installieren über eine mitgelieferte CD eine Backup-Software, mit welcher sich angeblich per Knopfdruck (direkt auf dem Adapter) Datensicherungen durchführen lassen können. Auf so einen Firlefanz können wir aber getrost verzichten, schließlich wollen wir ja explizit ein paar Daten sehen! 😉

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Nachdem wir den Patienten verkabelt haben…

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…sollten wir den Datenträger an einem PC anschließen. Wir haben Glück! Die Platte wird tatsächlich direkt erkannt – das sagt uns zumindest der Gerätemanager:

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Auch in der Datenträgerverwaltung ist die FIREBALL-Platte sofort sichtbar. Oha, hier war aber jemand richtig ordentlich! Neben einer Systempartition wurde auf der Disk eine erweiterte Partition samt zweier logischer Speicherbereiche für Programme und Daten angelegt. Sehr vorbildlich, genau so wie man es damals im Windows-95-Grundkurs gelernt hat! 😉

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Anhand der tatsächlich Belegung auf den Partitionen lässt sich schnell erahnen, dass hier jemand am Werk war, der gewusst hat, was er tut. Die Datenpartition wurde vollständig aufgeräumt, bevor die Platte in den Ruhestand geschickt wurde.

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Na, macht nichts. Benutzerdaten interessieren mich eh nicht wirklich und vielleicht lassen sich auf den anderen beiden Partitionen noch interessante Daten entdecken. Das Dateisystem FAT32 wird auch noch von modernen Betriebssystemen unterstützt und so können wir direkt über den Explorer zugreifen. Schauen wir zuerst mal auf die Systempartition:

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Letztendlich findet sich hier eine klassische Windows 95 Installation. Es ist wirklich verblüffend, wie viel man über ein System lernen kann, in dem man sich nur ein paar Logdateien ansieht. So lässt sich in der AUTOEXEC.BAT und CONFIG.SYS recht schnell erkennen, dass die Festplatte aus einem deutschen PC-System stammen muss (deutsche Sprachdateien und deutscher Tastaturtreiber).

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Anhand der Zeitstempel diverser Dateien würde ich raten, dass der PC am 05.09.1996 installiert wurde und letztmalig am 12.04.2001 hochgefahren wurde. Und jetzt, schlappe 25 Jahre später, wirft „jemand“ (hüstel) erneut einen Blick auf die Festplatte. 😉

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Doch das war noch nicht alles! Über die Datei „SETUPLOG.TXT“ finden wir heraus, welche Software installiert wurde und welche Laufwerke der PC, in dem die Platte eingebaut war, hatte.

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Im WINDOWS-Verzeichnis angekommen, können wir einen Blick auf die Startmenü-Einträge werfen. Anhand dieser lässt sich erkennen, welche Programme installiert waren. Ein paar der Tools kommen mir von diversen Retro-PC-Projekten bekannt vor! 🙂

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Erwartungsgemäß lässt sich ein Großteil der EXE-Files aufgrund von fehlenden Dateien oder Registry-Einträgen nicht aufrufen und falls doch, bricht der Vorgang mit diversen Fehlermeldungen ab. Mal handelt es sich um ein 16-Bit-Programm, mal fehlt eine DLL, mal fehlt die Windows-Installations-CD und manchmal sogar ein CD-Laufwerk selbst.

Not so fun Fact: Vermutlich ist es keine gute Idee, irgendwelche Uralt-Anwendungen, von denen nicht klar ist, was genau sie tun, einfach so auf einem modernen Betriebssystemen auszuführen. Da könnt ihr mal sehen, was ich für Risiken auf mich nehme, nur um euch eine gute Show zu bieten! 😛

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Trotzdem gibt es auch Überraschungen. So hätte ich z.B. nicht gedacht, dass sich die Taschenrechner-Anwendung von Windows 95 noch unter Windows 11 (!) starten lässt! 😀

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Gleiches gilt für den Audiorecorder sowie den Lautstärkemixer. Die beiden Tools erkennen sogar, dass meine Lautsprecher über den Bildschirm angeschlossen sind!

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Auch die „Medienwiedergabe“ (der Vorgänger vom Windows Media Player) ist am Start und verrichtet noch tadellos seinen Dienst. Ist das nicht verrückt? Immerhin handelt es sich hier um eine über 30 Jahre alte Anwendung!

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Selbst der gute, alte Editor („Notepad.exe“) läuft einfach so, als wäre es 1996.

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Zu guter Letzt lassen sich auch ein paar mir bisher unbekannte Windows-Anwendungen wie ein Objekt-Manager sowie ein „Update-Informationsprogramm“ aufrufen. Irgendwie würde es mich ja schon reizen, etwas in den Tools herum zu klicken, aber irgendwie habe ich Angst, mir dadurch mein System zu zerschießen! xD

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Selbst die Windows-95-Willkommensmeldung möchte noch mitspielen und zeigt sich in voller Pracht. Es hätte schon fast Style, diese EXE-Datei in den Windows 11 Autostart zu packen und bei jedem Boot von dem Fenster begrüßt zu werden, oder? 😉

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Beim Versuch, einen Blick auf die Programm-Partition zu werfen, hört man, wie der Lesekopf etwas rattert und klickende Geräusche von sich gibt. Ich vermute, dass diese Platte langsam den Geist aufgibt. Kein Wunder – der Datenträger ist knapp 30 Jahre alt und wurde die letzten 25 nicht mehr benutzt. Schon überraschend, dass wir überhaupt noch Daten zu Gesicht bekommen. Probiert das mal mit einem Auto (Stichwort Standschäden)!

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Doch noch ist nicht alles verloren. Mit Hilfe eines CHKDSK-Befehls können wir versuchen, die Daten aus beschädigten Sektoren wiederherzustellen und Fehler auf dem Datenträger beheben zu lassen.

Fun Fact: Bis auf ein paar vereinzelte Bilder- oder Briefvorlagen konnte fast alles gerettet werden.

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Hat sich der Aufwand gelohnt? Nicht wirklich. Zumindest klappt anschließend tatsächlich der Zugriff auf die Partition wieder. So richtig viel gibt es hier allerdings nicht zu entdecken. Außer ein paar privaten Dokumenten in den Eigenen Dateien, sowie der Gestaltungssoftware Sierra Print Artist, befindet sich leider kaum ein interessantes Programm auf der Platte. Schade!

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Der „MSOffice-Ordner“ bringt mich aber dann doch noch einmal zum Schmunzeln. Die darin installierten Office-Anwendungen lassen sich augenscheinlich nicht starten, weil eine Systembibliothek („mso95.dll“) fehlt. Mit Hilfe des Downloads einer Version der DLL-Datei von Windows XP (!) können wir aber tatsächlich „WinWord“ in der Version 7.0 unter Windows 11 zum Fliegen bekommen.

Not so fun Fact: Beim Start kommt eine ganze Reihe weiterer Fehlermeldungen, die auf fehlende Registry-Einträge und ein nicht vollständiges Setup hinweisen. Glücklicherweise können diese alle ignoriert, bzw. weggeklickt werden.

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Uff, da werden Erinnerungen wach. Das Interface der betagten Textverarbeitungssoftware sieht zwar altbacken, dafür aber absolut vertraut aus. Viele der hier aufgelisteten Funktionen sind auch heute noch in neuen Versionen der Software enthalten. Irgendwie wäre es ja schon fast Pflicht, Blogeinträge wie diesen mit so einer alten Word-Version zu schreiben, was meint ihr? 😉

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Excel lässt sich aufgrund diverser anderer Fehler leider nicht starten, aber zumindest können wir einen letzten Blick auf PowerPoint werfen. Spätestens hier sieht man, dass sich im Lauf der letzten Jahrzehnte optisch doch einiges getan hat.

Fun Fact: Wusstet ihr, dass „Office 95“ (so wird Version 7 offiziell genannt) die erste 32-Bit-Version der Office-Suite war? Im Jahr 1995 kostete das Softwarepaket 499 Dollar. Wollte man auch Microsoft Access (sowie ein paar weitere, kleinere Anwendungen) haben, waren es satte 599 Dollar.

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Genug gestöbert. Viel mehr gibt es auf dem Datenträger eh nicht zu entdecken. Ich hoffe, euch hat der kleine Nostalgie-Ausflug in die Betriebssystem- und Datenwelt vor ca. 30 Jahren gefallen. Ach ja, die Quantum-Platte wird natürlich formatiert und für das nächste Retro-PC-Projekt aufgehoben! 😉

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!

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