#3 – SNES-HDD

Preisfrage: Was bin ich?

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Wenn du jetzt auf ein SNES-Modul getippt hast, dann liegst du zumindest teilweise richtig! 😉

Sieht doch eigentlich ganz normal aus, oder?

Mal genauer inspizieren… Auch die Rückseite sieht relativ normal aus!

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Moment – was ist das? Da fehlt ja die Platine! Lediglich eine Metallabdeckung ist zu sehen… Merkwürdig.

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Und an der Seite ist eine Buchse?

Die Ausfräsung dafür ist aber sehr unsauber – wer auch immer das gemacht hat, sollte sich schämen!

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Mal sehen, ob man da wirklich etwas anstecken kann…

Tatsächlich! Ein normales USB3.0-Kabel passt in die Buchse:

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Und dann leuchtet da noch so eine seltsame blaue LED…

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Was das wohl zu bedeuten hat? Am besten gleich mal am PC einstöpseln…

Und tatsächlich, das SNES-Modul wird vom PC erkannt – scheint so als wäre eine Festplatte verbaut – wow 1TB Speicherplatz, jetzt gibt es keine Ausrede mehr für die Digitalisierung der alten Urlaubsbilder 😉

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Fun Fact: Die Kapazität von 931GB entspricht ungefähr der gleichen Kapazität wie 690.829 Stück 3,5″-Disketten liefern würden – vor noch nicht allzu langer Zeit eine schier unvorstellbare Menge an Daten, heutzutage reicht’s nicht mal um einen Tag HD-Fernsehprogramm aufzuzeichnen 😀

#2 – Pokémon Sammelalbum

Bei der Vorbereitung für den Umzug in unser Eigenheim bin ich auf einen (wenn man den ideellen Wert betrachtet) wahren Schatz gestoßen: Mein Pokémon Sticker-Sammelalbum von Merlin aus dem Jahre 1999 🙂

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Wahnsinn! 🙂

Kurz durchgeblättert – einige lose Seiten (das lässt sich flicken) aber ansonsten in einem erstaunlich gut erhaltenen Zustand, wenn man bedenkt, dass ich das Teil irgendwo zwischen Kuscheltieren, Lego und anderen Relikten aus vergangenen Tagen vom Dachboden gerettet habe.

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Auch der “Füllungsgrad” ist erstaunlich hoch. Gerade die glitzernden Sticker waren damals (nicht nur auf dem Pausenhof) sehr begehrt und kaum zu bekommen.
=> An dieser Stelle herzlichen Dank an meine Mutter, die mir damals (Weihnachten oder Geburtstag 2000) extra vom Merlin-Verlag alle fehlenden (und das waren einige) Glitzer-Sticker bestellt hat 😉 Gerade diese wären wohl heute kaum mehr zu bekommen…

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Sogar das Poster mit allen Hauptcharakteren ist noch vorhanden und vollständig! 😀

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Auf der letzten Seite hat wohl jemand (*hüstel*) seiner Kreativität freien Lauf gelassen und die komplette Seite mit weiteren Pokémon-Stickern (die eigentlich nicht für dieses Album gedacht waren) zugepflastert:

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Soweit so gut, und jetzt die “Preisfrage”. Was soll man damit anstellen?

Preislich lässt sich daran nichts verdienen, je nach Zustand werden vollständige Alben für um die 20€-50€ angeboten – aber das ist nicht der Punkt.
Wie kann man als jung gebliebener Erwachsener der Versuchung auf Stickerjagd zu gehen widerstehen? Vermutlich würde diese Frage jeder normale Mensch mit “ganz einfach” beantworten – aber ich kann das nicht 🙂 Es ist ein Teil meiner Kindheit, und vielleicht lässt sich so auch ein weiteres Kapitel abschließen. CHALLENGE ACCEPTED!

Also – zweiter Durchgang, nochmal durchblättern. Dabei fällt mir auf, dass auch auf den Seiten, auf welchen die Entwicklungsreihen einiger Pokémon aufgeführt sind, Sticker fehlen.

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Eine erste Analyse ergab: 22 Stück fehlen. Da hilft nur eins: Nummern notieren!

Es fehlen die Nummern 13, 19, 23, 24, 41, 43, 45, 47, 99, 102, 116, 123, 131, 146, 158, 165, 173, 174, 200, 202, 203 und 209.

Und dann ging die Recherche los… Ob eine Vervollständigung nach knapp 20 Jahre nach dem “Hype” dieser Dinger noch möglich ist? Ich bin mal optimistisch und sage ja 😀

Allerdings darf das Ganze auch keine Unsummen verschlingen, schließlich sind es ja nur Aufkleber. => Finanzielles Ziel gesetzt: Max. 15€ ausgeben.

Auf der deutschen eBay-Seite habe ich einen netten Händler gefunden, welcher gleich mehrere von meinen gesuchten Stickern parat hatte, diese aber jeweils in Paketen von 8 Stück verkaufen wollte. Nach einer Kontaktaufnahme haben wir uns darauf geeinigt, dass ich ein “8er-Päckchen” ersteigern solle und wir danach das mit den restlichen Stickern klären.

Gesagt, getan! Ich konnte das Paket mit 8 Aufklebern für 1€ (+0,90 Ct. Versand) ersteigern – außer mir sind wohl nicht zu viele Leute auf der Suche nach Pokémon-Aufklebern aus den 90ern 😉 Anschließend, haben wir uns über die restlichen Sticker geeinigt. Insgesamt hatte der gute Mann 18 von den 22 Stück die mir fehlten, und ich habe für diese 18 letztendlich 3,65€ inkl. Versand bezahlt – ein meiner Meinung nach sehr guter Anfang!

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Das Einkleben macht immer noch so viel Spaß wie früher, manche Dinge ändern sich wohl nie:

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Leider war bei einigen Stickern die Klebefläche schon so stark eingetrocknet, sodass die Bilder nicht mehr richtig kleben wollten. Ich denke nach 20 Jahren kann man dem Hersteller keinen Vorwurf machen 😉 Leider hatte ich keinen “Uhu” zur Hand, aber im Falle eines Falles, klebt… Pritt? auch einfach alles.

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Die Suche nach den letzten vier Stickern gestaltete sich dann schon etwas schwieriger… Auf allen Verkaufsplattformen, die solchen Quatsch überhaupt noch anbieten, konnte ich nicht die sehnlich ersuchten letzten vier Stück finden 🙁

Spiel, Satz, Niederlage, oder wie Team Rocket sagen würde: “Das war mal wieder ein Schuss in den Ofen”!

Doch aufgeben ist nicht drin, da hilft nur eins – international denken! In Zeiten der Globalisierung sollte das doch kein Problem sein – oder? 🙂

Und tatsächlich – über die internationalen eBay-Seiten ließen sich doch passende Angebote finden! Leider aus sehr unterschiedlichen Herkunftsländern. Das bedeutet jedes Mal eigene Versandkosten – Gott sei Dank sind die Sticker schmal und können als normaler internationaler Brief versendet werden, aber seht selbst:

“Arktos” und “Rossana” kamen – trotz ihrer eisigen Beschaffenheit – direkt vom Ballermann aus Spanien zu mir (3,43€ inkl. Versand):

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“Dodu” wollte nur sich nur am Gardasee in Italien blicken lassen (2,54€ inkl. Versand):

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Und last but not least – der letzte mir fehlende Sticker (wie könnte es anders sein):
Das gute alte “Pikachu” kam direkt aus den französischen Alpen eingeflogen (1,99€ inkl. Versand):

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Es war nicht leicht, aber letztendlich konnte ich – nach knapp 20 Jahren “sammeln” – dann doch mein vollständiges Album bewundern:

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Auch finanziell bin ich unter dem gesetzten Limit geblieben (Gesamtkosten: 11,61€).

Enton gut, alles gut 🙂

#1 – IBM Type 011

Seit einiger Zeit bin ich nun schon auf der Suche nach einem originellen Geschenk für eine Arbeitskollegin, welche bald ihren verdienten Ruhestand antritt.

Da sie früher selbst noch Lochkarten gestanzt hat und im IT-Bereich tätig ist, kam mir die ideale Idee: Eine gestanzte Lochkarte mit persönlicher Widmung! 🙂

Die Idee war da – soweit so gut. Jetzt der knifflige Teil: Wie macht man sowas? Leider ist mir kein Werkzeug bekannt, welches die schönen “IBM-typischen” rechteckigen Löcher in eine 80-stellige Lochkarte möglichst originalgetreu stanzen kann 🙁

Erste Versuche mit einem angeschliffenen Schraubenzieher lieferten prinzipiell gute Ergebnisse, leider war die Genauigkeit (gerade der Abstand zwischen den einzelnen Spalten) ein großes Problem. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Fehler “stanzt” war einfach zu groß und man müsste immer wieder nachschleifen.

Letztendlich blieb damit nur eine Lösung: Ein originaler elektromechanischer IBM Lochkartenlocher. Doch wo findet man sowas heutzutage noch außerhalb eines Museums? Leider kaum bis gar nicht. Selten wird ein Gerät auf eBay zu Mondpreisen (über 1.000€) angeboten – so viel ist mir die “Spielerei” dann doch nicht wert.

Tatsächlich scheint sich das Motto “wer suchet der findet” von Zeit zu Zeit zu behaupten! 🙂 In diesem Fall dauerte es mehrere Monate bis ich tatsächlich ein passendes Angebot gefunden hatte. Der Verkäufer erzählte mir er sei der Sohn eines ehemaligen IBM-Angestellten, welcher zum Ende der Lochkartenära das Gerät mit nach Hause genommen hatte. Nach einigem Hin- und Her (sowie einem netten Plausch über die gute alte Zeit) wurden wir uns einig und ich fuhr zu einer Oldtimershow wo die Übergabe stattfand. Lange Rede – kurzer Sinn:

Darf ich vorstellen? Eine IBM Type 011:

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Der erste Eindruck ist soweit ganz gut. Das Teil braucht definitiv einiges an “Liebe”, der Zahn der Zeit hat natürlich seine Spuren hinterlassen, aber insgesamt ist nichts verbastelt oder notdürftig repariert. Und es ist fast vollständig, lediglich eine Taste fehlt. Das Baujahr lässt sich nur schwer erahnen – es gibt online kaum Infos darüber. Die Seite des Computer History Museums sagt dazu 1928, jedoch ist diese Angabe sehr ungenau, da erst 1928 die 80-stelligen Lochkarten von IBM etabliert wurden (vielen Dank an die Columbia University in New York).

Da ich es ganz genau wissen wollte, habe ich noch einige Anfragen an IBM-Museen in Übersee, England und good ol’ Germany gestartet. Leider konnte keine Institution ein exaktes Baujahr ermitteln, bzw. selbst die ältesten – noch nicht verstorbenen 😉 – Spezialisten der IBM konnten den Zeitraum nur auf 1928 – 1939, (ich zitiere “wahrscheinlich irgendwann vor dem 2. Weltkrieg”) eingrenzen. 😀

Auf der Suche nach weiteren Informationen war mir ein Mitarbeiter der IBM in England behilflich. Er verwies mich auf ein – in den (Un)tiefen des Internet verstecktes – “Service Manual” hin, welches einige interessante Informationen, Skizzen und Fehlerbeschreibungen enthält.

Aber wer hat schon Lust zu lesen, wenn er eine Maschine vor sich stehen hat? 😉 Also ran an den Speck: Bei einer ersten Erkundung des Geräts bin ich auf eine Plakette an der Vorderseite gestoßen:

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Die “71” steht hierbei für den Ländercode von Deutschland (vielen Dank an die Spezialisten vom IBM-Labor in Hursley). Eine weitere Plakette auf der Unterseite verrät, dass das Gerät wohl ursprünglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gebaut wurde:

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Gut, dass ein europäisches Netzteil mit eigener Plakette dranhängt:

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Ein kurzer Funktionstest ergab, dass sich da nicht mehr viel bewegen lässt. Scheint fast so als säße die Schiene, welche die einzelnen Spalten der Lochkarte rückwärts “abfahren” soll, fest:

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Auch das beste Öl ist nach einigen Jahrzehnten nicht mehr flüssig 😀 Problem erkannt und beseitigt, Schiene – mit viel Geduld – gesäubert:

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Der anschließende Funktionstest hat mich dann umgehauen: Tatsächlich ließen sich alle 80 Spalten einwandfrei stanzen und das Ergebnis kann sich echt sehen lassen! So dürfte die Erstellung der Karte für meine Kollegin kein Problem mehr sein 🙂

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Hier noch ein Bild nach Abschluss der ersten Grundreinigung. Mit viel Geduld und dem richtigen Reiniger lässt sich da bestimmt noch einiges machen, aber da fehlt mir aktuell die Zeit. Die fehlende Taste wurde im Übrigen durch eine Mutter mit aufgesetzter Ventilkappe eines Autoventils ersetzt 😉

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Bevor ich es vergesse: Bei dem Gerät war noch ein “Lochkartenhalter” mit einigen gestanzten und noch nicht gestanzten Lochkarten dabei – sexy 🙂 Am Boden waren die Initialen des Vaters des Verkäufers mit einem spitzen Gegenstand eingraviert – schönes Andenken aus einer anderen Zeit!

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=> Vielleicht gibt es dazu irgendwann nochmal einen Artikel wenn ich das Ding komplett gereinigt und ein paar weiter Karten gestanzt habe… To be continued (?)…