Wisst ihr was? Manchmal braucht man einfach eine Auszeit. Eigentlich hatte ich vor, euch heute diese total coole, getunte Xbox-Konsole zu zeigen. Der Plan war, das Gerät vollständig zu zerlegen und im Detail auf die technischen Besonderheiten einzugehen. Doch daraus wird nichts. Mir fehlt schlicht und einfach die Motivation, zum Schraubenzieher zu greifen. Stattdessen möchte ich mir heute mal eine kleine Auszeit gönnen. Vielleicht schauen wir uns einfach ein paar Xbox-Spiele an?
Fun Fact: Bei der Konsole handelt es sich nicht um die von uns im Rahmen von Artikel 351 reparierte „Kindheits-Xbox“, tatsächlich ist es eine anderes Gerät. Was soll ich sagen? Wer will schon eine Xbox, wenn er auch zwei haben kann? 😛

Au ja, zocken klingt gut. Hm? Was diese Xbox so besonders macht wollt ihr wissen? Nun, zum einen wäre da das speziell verbaute Laufwerk vom Typ „LG GDR 8163B“. Wie wir bereits seit Artikel 351 wissen, ist das DVD-Laufwerk der Xbox eine der größten Schwachstellen der Konsole und es wird immer schwieriger, passende Ersatzhardware zu finden. In dieser Xbox war auch das Laufwerk defekt und anstelle eines originalen Xbox-Laufwerks wurde ein handelsübliches PC-Laufwerk vom Typ „8163B“ verbaut. Dank speziell darauf geflashter Firmware wird der „Allesfresser“ auch von der Xbox erkannt. Im Vergleich zu originaler Hardware liest das umgebaute Laufwerk neben den originalen Xbox Game Discs auch sämtliche CD-R/RW- und DVD-R/RW-Medien ohne Probleme. Sehr cool!

Oder wie wäre es hiermit? Anstelle des recht lauten, originalen Lüfters wurde ein neuer Silent-Lüfter verbaut. So lässt sich die Xbox betreiben, ohne dass man das Gefühl hat, in einem Airbus A380 zu sitzen.

Auch an der Speicherkapazität der Konsole wurde geschraubt. Von Haus aus bieten originale Xbox-Festplatten lediglich 8 GB an Speicherplatz. Spätere Modelle wurden mit 10 GB Platten ausgestattet. In dieser Xbox findet sich dagegen eine fette 500 Gigabyte Festplatte, auf der sich zahlreiche Homebrew-Anwendungen und Spiele installieren lassen.

Ermöglicht wird das alles durch einen Aladdin-Modchip. Auch darüber ließe sich so viel interessantes erzählen. Wusstet ihr z.B., dass solche Xbox-Modchips über den LPC-Port angeschlossen werden? Dabei handelt es sich um eine multifunktionalen Schnittstelle, die in vielen IBM-PC-kompatiblen Computern (und so auch der originalen Xbox) verbaut wurde und Verbindungen zu verschiedenen Peripheriegeräten herstellen kann. Der LPC-Bus funktioniert ähnlich wie die ISA-Schnittstelle und über diesen Weg lassen sich Legacy-Komponenten, wie z.B. eine Echtzeituhr, PS/2-Tastaturen, der PC Speaker, ein Floppydisk-Controller und letztendlich auch TPM-Module oder ein BIOS Rom ansprechen. So haben findige Hacker es geschafft, der Xbox ein anderes BIOS unterzujubeln.
Fun Fact: Bevor ihr euch wundert: Nein, ich habe die Konsole nicht aufgeschraubt. Das Bild ist schon etwas älter und stammt noch vom damaligen Umbau der Konsole! 🙂

Seht ihr? Die Hardware der betagten Konsole zu erkunden wäre also eigentlich sehr interessant. Damit meine ich nicht nur die Konsole selbst, sondern auch die Peripheriegeräte. Was haltet ihr z.B. von diesem Monster-Controller? Der originale Xbox-Controller (Modellname „The Duke“) hat es als „größter Controller“ sogar 2008 in das Guinness Buch geschafft. Auf Grund seiner Größe und einiger Designschwächen wurde der Duke allerdings recht schnell durch den wesentlich kleineren Controller vom Typ „Xbox Controller S“ ersetzt.
Fun Fact: Die Story hinter der Entstehung des überdimensionierten Controllers ist echt interessant!

Selbst über die Anschlussmöglichkeiten der Xbox könnte man einiges erzählen. Wie wäre es z.B. mit diesem tollen Komponentenkabel, mit welchem sich der Xbox sogar ein „HD ready Signal“ (720p / 1080i) entlocken lässt? Und das bereits im Jahr 2002!

Mit den entsprechenden Adaptern lässt sich die Konsole so auch heute noch an den meisten modernen Bildschirmen und Fernsehern betreiben:

Alles schön und gut, aber wollten wir uns nicht einfach nur ein paar Spiele ansehen? Bis jetzt ging es wieder ausschließlich um langweilige, technische Details. Sorry, mein Fehler – ich versuche, mich zusammenzureißen und nicht wieder abzudriften! Also – genug von der Hardware, werfen wir lieber schnell einen Blick auf die Software der Konsole. Auf der Xbox wurde ein alternatives Dashboard namens „XBMC4Gamers“ installiert. Das Programm basiert auf dem Mediaplayer „Kodi“ und wurde speziell für das unkomplizierte Abspielen von Games entwickelt. Quasi zocken ohne viel Schnickschack! 😉
Fun Fact: Kodi hieß früher „XBMC“ und wurde als „Xbox Media Player“ explizit für Microsofts erste Xbox-Konsole entwickelt, bevor es den Sprung in den Mainstream als Mediacenter-Universallösung für diverse Geräte geschafft hat.

Das Dashboard bietet gefühlt endlose Konfigurationsmöglichkeiten. Das reicht von simplen Dingen, wie dem Anpassen von Grafiken und Hintergründen…

…bis hin zur Möglichkeit, eigene Python-Skripte ausführen zu können.

Ebenso wurden zahlreiche Homebrew-Anwendungen auf die Konsole gepackt, welche wirklich das Letzte aus dem Gerät rausholen. Es lässt sich so ziemlich alles verändern und konfigurieren – fast so, wie bei einem normalen PC. Für das Kopieren, Verschieben, Löschen oder Umbenennen von Dateien gibt es beispielsweise einen universellen Dateimanager namens „Boxplorer“:

Mit der Software „DVD2Xbox“ lassen sich Kopien von Xbox-Spielen, DVDs oder sogar Musik-CDs machen und auf der Festplatte der Xbox speichern.

Ein besonders mächtiges Tool ist „Enigmah-X“. Damit lässt sich die Region der Xbox von PAL auf NTSC (oder umgekehrt) ändern. Das ermöglicht wiederum die zusätzliche Ausgabe von HD-Videomodi (720p / 1080i) über ein Komponentenkabel. Bei einem originalen, nicht modifizierten, europäischen Xbox-Modell ist das von Haus aus leider nicht möglich.

Besonders beeindruckend ist das noch recht neue Projekt „Insignia“. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, welche es den Spielern – nach der Abschaltung der Xbox Live Server im Jahr 2010 – erstmalig wieder ermöglicht, die Online-Funktionen von Spielen zu nutzen. Ist das nicht abgefahren? Über 15 Jahre nach dem Ende von Xbox Live kann man nun tatsächlich wieder online mit der originalen Xbox gegen seine Freunde zocken! 🙂

Der Hauptaugenmerk von XBMC4Gamers liegt aber natürlich auf den Spielen. Stimmt, Spiele – da war ja was. Sorry, wieder abgedriftet! 😀

Ich traue es mich fast gar nicht zu sagen, aber selbst hier gäbe es so viele Geschichten zu erzählen. Es ist eine Kunst für sich, entsprechende Grafiken und Spielbeschreibungen über den „Xbox Artwork Installer“ heruntergeladen und installiert zu bekommen. Ich kann mich nur noch vage an die ganze Stolpersteine (Namenskonventionen, Anpassung der XBMC-Settings auf „Resources Display“ sowie der zu leerende Cache und die ggf. zu löschenden Thumbnail-Files des Dashboards) erinnern – und das ist auch gut so! xD

Die Spiele selbst können – abhängig von der Quelle aus der sie stammen – in diversen Dateiformaten vorliegen. Es gibt essentielle Unterschiede zwischen vollständigen ISO-Abbildern, komprimierten XISO-Images oder gar vollständig entpackten Archiven mit bereits modifizierten Spieldateien. So kann es sein, dass ein Spiel erst entsprechend konvertiert oder entpackt werden muss, um es auf der Konsole zum Laufen zu bringen. Einige Spiele müssen gar mit entsprechenden Patches versehen werden, damit sie ein sauberes Videosignal ausgeben, oder überhaupt von Festplatte starten.
Not so fun Fact: Natürlich hat jedes Format Vor- und Nachteile und es fällt schwer, den Überblick zu behalten. Gerade was Anzahl von Dateien und Dateigrößen betrifft, gibt es einiges zu beachten. Die Xbox verwendet „FATX“ als Dateisystem, eine mit gängigen PC-Systemen inkompatible, auf FAT16/32 basierende Variante von FAT. So braucht es wieder spezielle Tools, um überhaupt eine Xbox-Festplatte von einem normalen PC aus bestücken zu können. Hab ich schon mal gesagt, dass IT kompliziert ist?

Immerhin kann man alternativ die vorbereiteten Spieldaten auch einfach per Netzwerk mit dem FTP-Protokoll von einem im selben LAN befindlichen PC aus auf die Xbox-Konsole übertragen. Das klappt erstaunlich gut, wenn auch die Geschwindigkeit zu wünschen übrig lässt. Gerade wenn ein Spiel aus vielen einzelnen, kleinen Dateien besteht, geht die Übertragungsrate gern mal in den Keller. So kann es passieren, dass z.B. ein Transfer von ca. 30 Gigabyte mehrere Stunden läuft.

Uff – jetzt ist es mir schon wieder passiert! War nicht zu Beginn des Beitrags von einer „Auszeit“ die Rede? Eigentlich wollten wir schon längst was zocken, doch stattdessen nerve ich euch wieder mit technischen Details zu Dateisystemen und Übertragungsraten. Von wegen „Xbox Auszeit“. Wohl eher „Xbox Technik Gelaber im Schnelldurchlauf“. 😛
Tja, was soll man noch sagen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich – völlig am Thema vorbei – ins Abseits manövriere. Aber könnt ihr es mir verübeln? Alles was mit „Technik“ zu tun hat, ist einfach kompliziert und gleichzeitig auch so interessant. Gerade dann, wenn man Dinge für irgendwas verwendet, für das sie gar nicht gedacht sind. Um nicht ganz mit leeren Händen da zu stehen, sollten wir abschließend zumindest mal nachsehen, was denn für Spiele auf der Konsole installiert sind.
Die GTA-Reihe ist mit Sicherheit eine der erfolgreichsten Videospielreihen aller Zeiten. Und siehe da: Das Warten auf den sechsten Teil fällt leichter, wenn wir in der Zwischenzeit GTA III, Vice City oder San Andreas spielen können! 🙂

Und wenn wir schon bei echten Kassenschlagern sind: Das wohl populärste Spiel auf der originalen Xbox ist mit Sicherheit „Halo“. Der Ego-Shooter revolutionierte das FPS-Genre auf Konsolen und etablierte Standards, die bis heute gelten. Tolle Grafik, detailliertes Leveldesign, eine intuitive Steuerung (mit beiden Analogsticks), clevere KI der Gegner sowie eine interessante Story. Halo hatte einfach alles. Das gab es anno 2001 bisher nur auf dem PC.

Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass ich mich eher selten im Shooter-Genre tummle. Ein Spiel, welches dagegen schon lange auf meiner To-do-Liste steht, ist „Beyond Good & Evil“. Das Action-Adventure rund um Fotografin Jade besticht durch Stoy, Humor, Grafik und Sound – angeblich. Gespielt habe ich es noch nicht, aber das wird definitiv eines Tages passieren! 🙂
Fun Fact: Erlaubt mir diesen einen, letzten, technischen Tipp: Eine in das Dashboard integrierte Funktion namens „IGR“ (In-Game-Reset) erlaubt es, die Konsole per Controller mit der Tastenkombination „L1 + R1 + Black + Back“ zurückzusetzen. Super praktisch, wenn man ein anderes Spiel spielen möchte, aber zu faul ist, vom Sofa aufzustehen! 😀 Der Zukunfts-retrololo wird mir für diesen Hinweis danken, da bin ich mir ganz sicher! 😉

Wenn ich über Rennspiele nachdenke, fällt mir unweigerlich die „Need for Speed“-Reihe ein. So ist es kein Wunder, dass sich auch ein paar Vertreter wie z.B. „Need for Speed: Underground 1 & 2“ oder „Need for Speed: Most Wanted“ auf der Xbox finden. Auch wenn ich die Underground-Teile gerne gespielt habe, gefiel mir „Need for Speed III: Hot Pursuit“ oder dessen Nachfolger „Need for Speed: Hot Pursuit 2“ mit seinem „Flieh vor der Polizei“-Aspekt (und ohne dieses ganze Tuning-Gedöns) irgendwie immer etwa besser.

Was Xbox-Exklusivtitel angeht, fällt mir spontan „Jet Set Radio Future“ ins Auge. Das im zeitlosen Cel-Shading-Look gehaltene Inline-Skater-Spektakel mit Grind-Grafitti-Gameplay glänzt auch heute noch mit seinem treibenden Soundtrack und dem unkonventionellen Spielkonzept. Auch einer dieser Titel, den ich bisher erst angespielt habe und der definitiv etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Apropos Xbox-Exklusiv: Auch das Remake von Conker’s Bad Fur Day (siehe Artikel 79) namens „Conker: Live & Reloaded“ wurde nur für Microsofts Erstling entwickelt. Im Vergleich zum Original gibt es eine bessere Steuerung, einen deutlich aufpolierten Soundtrack und deutschen Bildschirmtext. Allerdings gefällt mir persönlich der neue Grafikstil nicht so gut wie beim Original.
Zu allem Überfluss wurden viele Stellen im Remake zensiert. Ein aus heutiger Sicht fast lächerlicher Schritt, wenn man bedenkt, was mittlerweile alles in der Medienwelt erlaubt ist! 😀

Am Ende bleib ich aber dann doch wieder bei einem Klassiker hängen, den ich vor Jahren mal auf dem PC gespielt habe. „The Simpsons Hit & Run“ begeistert mich auch heute noch mit seiner bunten Zeichentrick-Grafik und dem authentisch präsentierten Simpsons-Universum.

Auch wenn mich einige repetitive Missionen und das teils willkürlich wirkende Verhalten der vom Computer gesteuerten Verkehrsteilnehmer stören, versprüht das Spiel – nicht zuletzt durch die zahlreichen, humorvollen Dialoge – einen gewissen Charme, der mich auch heute noch gerne zum „Springfield-GTA“ greifen lässt. Für mich ist das Spiel eine perfekte „Auszeit“ auf der Xbox und somit der ideale Kandidat, den heutigen Beitrag zu beenden! 😉

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!