Neulich bei den retrololos: Es ist ein regnerischer Abend. Die Familie sitzt am Tisch und ich bekomme in meinem Elternhaus dieses kleine, schwarze Kästchen in die Hand gedrückt:

„Haben wir beim Aufräumen gefunden, vielleicht kannst du ja so etwas brauchen“ hieß es. Na logo! Alte Technik ist bei mir immer gut aufgehoben, das weiß selbstverständlich auch die Verwandtschaft. Also – mal sehen, was haben wir da…?

Ah ja, bei dem guten Stück handelt es sich um ein recht kleines Radio aus dem Hause Siemens. Der Rundfunkempfänger (Modell „Reisesuper RK 615“) wurde 1986 produziert und fällt aufgrund seiner kompakten Bauform (kleiner als 20 Zentimeter) in die Kategorie der Reise- oder Taschengeräte.

Mit dem Ding lassen sich per FM (Frequenzmodulation) oder AM (Amplitudenmodulation) übertragene Sender empfangen. Gebräuchlicher sind vermutlich die Begriffe UKW für analogen Hörfunk im Frequenzbereich zwischen 87,5 bis 108 MHz (VHF-Band II) sowie Mittelwelle im Bereich 526,5 bis 1606,5 kHz. Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen den beiden Technologien. So lassen sich AM-Signale beispielsweise über größere Entfernungen übertragen (terrestrische Ausstrahlung), allerdings ist die Klangqualität deutlich schlechter und das Signal ist deutlich anfälliger für Wetterbedingungen. AM spielt in europäischen Gefilden keine Rolle mehr (seit 2015 gibt es keine deutschsprachigen Sender mehr im Mittelwellenband), aber in Lateinamerika, Asien, den USA und Kanada gibt es noch einige wenige Sender, welche auf diesen Frequenzen funken.
Fun Fact: Ich habe es ausprobiert: Tatsächlich lassen sich in den Abendstunden oder in der Nacht noch ein paar ausländische Sender auf der Mittelwelle empfangen. Das liegt daran, dass die ionosphärischen Bedingungen, die für die Reflexion von Radiowellen verantwortlich sind, tagsüber durch die Sonnenstrahlung beeinflusst werden. Konkret werden die Mittelwellen untertags stärker absorbiert und erst wenn die Sonne weg ist, können sich die Wellen leichter über größere Entfernungen ausbreiten. Hand aufs Herz – wer weiß so etwas heutzutage noch? 😀

Im Vergleich zu AM kann FM nicht über so weite Strecken übertragen werden und ist anfällig für physikalische Barrieren (z.B. dicke Hauswände). UKW bietet dafür eine höhere Klangqualität (Stereo-Übertragungen), ist weniger störanfällig für Wetterbedingungen und kommt auch heute noch hierzulande zum Einsatz. So gibt es noch zahlreiche Sender, die im UKW-Bereich funken und ich bin erstaunt, wie gut die Empfangsqualität des Gerätes ist. Selbst mit eingeklappter Antenne lassen sich die in der jeweiligen Region ansässigen Sender gut empfangen.
Fun Fact: Ist es nicht faszinierend? Eigentlich steht der analoge Rundfunk (UKW) auch schon seit Jahren auf der Abschussliste und sollte bereits mehrfach abgeschaltet werden. Da der digitale Nachfolger (DAB+) allerdings erst 13% Verbreitung gefunden hat und selbst im Jahr 2024 noch 53% aller Radionutzer die Programme über UKW empfangen (und noch nicht auf alternative Technologien wie Internetradio umgestiegen sind), wurde die Finanzierung der Technologie bis 2032 verlängert.

Mit ausgefahrener Antenne wird das Signal dann nochmal etwas besser. In den Achtzigern war der kompakte Rundfunkempfänger mit Sicherheit ein echt tolles Gerät und der ideale Begleiter auf Reisen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, was man zur damaligen Zeit wohl alles an Sendern hat empfangen können. Premiere Bundesligakonferenz? Nachrichten? Schlagerparade? Wer weiß.

Der eingebaute Lautsprecher macht richtig Alarm und ich habe mich nicht getraut, den Regler volle Pulle aufzudrehen. Selbst bei ca. der Hälfte ertönen bereits ohrenbetäubende Klänge aus dem kleinen Kästchen. Verrückt!

Betrieben wird das gute Stück mit 3 Mignon-Batterien (AA, 1,5V). Wäre wirklich interessant herauszufinden, wie lange das Mini-Radio damit klarkommt:

Alternativ kann das Ding wohl mit einem Netzteil betrieben werden. Leider habe ich kein passendes Netzteil mit 4,5 Volt, umgekehrter Steckerpolung und einem recht dicken Niedervoltstecker. Das ist ein – aus heutiger Sicht – eher ungewöhnliches Format.

Mal überlegen, was gibt es noch über das Gerät zu sagen? Auf der Rückseite des Radios findet sich eine kleine Klappe.

Ganz sicher bin ich mir nicht, wofür die eigentlich gut ist. Vielleicht ist das Stück Plastik dafür da, das Radio gekippt hinstellen zu können? Das würde mich aber wundern, weil die Füße am Boden des Geräts nicht abgerundet sind und die Klappe auch so klein ist, dass man das Radio nur wenige Grad nach hinten kippen könnte. Sehr merkwürdig.

Ich habe Bilder von ähnlichen Modellen gefunden, bei denen sich unter der Abdeckung ein Aufkleber mit den gängigsten Radiosendern samt deren Frequenzen befindet. Vielleicht diente die Konstruktion einfach als Nachschlagewerk für die populärsten Radiosender. Andererseits drängt sich dann die Frage auf, warum man die Senderliste nicht einfach auf die Rückseite geklebt hat. Wer weiß! 🙂

Besonders schön finde ich, dass sich das Radio so intuitiv bedienen lässt. Es gibt nur wenige Elemente wie zwei Drehregler (für Lautstärke und Tuning), sowie ein paar Knöpfe zum An- und Ausschalten des Gerätes oder zur Einstellung der Übertragungstechnologie. Über die Helligkeit einer kleinen LED wird angezeigt, ob das Signal eines Senders gut empfangen werden kann oder nicht.

Alles in allem ist das RK 615 ein wirklich tolles Gerät und ich werde es definitiv behalten. Um es auf Dauer in der Werkstatt oder im Büro betreiben zu können, habe ich mich dazu entschieden, ein passendes Netzteil dafür zu basteln.
Not so fun Fact: Eigentlich wollte ich was Fertiges kaufen, aber auf Grund der speziellen Anforderungen (wie oben beschrieben) habe ich nirgendwo eine geeignete Stromversorgung auftreiben können. Gerade die umgekehrte Steckerpolung (außen Plus, innen Minus) ist sehr ungewöhnlich und ich habe nirgendwo ein Netzteil gefunden, dass so gebaut ist.

Na, dann müssen wir halt selbst ran. Zumindest ist mir nach längerer Suche noch ein 4,5 Volt Netzteil in der Elektroschrott-Kiste in die Hände gefallen. Bei dem fehlt allerdings der Stecker:

In der elektronischen Bucht lassen sich tatsächlich noch solche Hohlstecker auftreiben. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Varianten (Schaftlänge, Innen- und Außendurchmesser, etc.) und letztendlich habe ich mich für eine abgewinkelte Variante entschieden, damit das Kabel an der Seite des Geräts nicht so weit herausragt:

Der Stecker ist dann recht fix an das Kabelende angelötet. Abschneiden, abisolieren, verlöten und Stecker verschließen:

Schon ist das Netzteil fertig:
Fun Fact: Es macht Sinn, die umgekehrte Polung des Steckers auf der Rückseite des Netzteils (z.B. mit einem Aufkleber) zu markieren. Nicht, dass man das Ding irgendwann nochmal für ein anderes Gerät nimmt und dann eine böse Überraschung erlebt! 😉

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man fast meinen, das gehört sich so! 😉

Ein abschließender Test bestätigt, dass das Radio mit dem modifizierten Netzteil einwandfrei funktioniert. Damit ist das Gerät bereit für den Dauerbetrieb in der Werkstatt! 🙂

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!