retrololo

#367 – GBA D-pad sucks

Oh Mann! Eigentlich wollte ich beim letzten Mal doch einfach nur etwas abschalten und Game Boy spielen…

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Was soll ich sagen? Der Plan war gut und ging auch für ca. zehn Minuten auf. Anschließend legte ich den Game Boy frustriert beiseite. Nicht etwa, weil ich so schlecht „Wario Land: Super Mario Land 3“ gespielt hätte. Der Grund war viel banaler: Mir tat der Daumen weh! Und wisst ihr, wer daran schuld ist? Dieses vermaledeite Ding!

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Zugegeben, solche auch „D-pad“ genannten Steuerkreuze gehören von Natur aus nicht zu den ergonomischsten Tasten auf einem Controller. Im Vergleich zu analogen Joysticks, die sich ohne Widerstand in sämtliche Richtungen bewegen lassen, wirkt das D-pad extrem sperrig und geradezu archaisch. Definitiv nichts für sensible Daumen!

Fun Fact: Trotzdem finden sich solche Steuerkreuze auch heute noch auf modernen Controllern und Konsolen wie z.B. der Nintendo Switch oder dem Steam Deck. In gewissen Nischenbereichen (2D- und Prügelspiele) haben sie sogar noch eine legitime Daseinsberechtigung, wenn auch das Steuerkreuz heutzutage eher selten zur reinen Eingabe von Richtungen (hoch, runter, links, rechts und ggf. Diagonalen) verwendet wird und die Tasten stattdessen häufig schon anderweitig belegt sind.

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Nicht so bei den Game Boy Konsolen. Dort wird das D-pad zwingend zur Richtungseingabe benötigt. Aber auch das wäre kein Problem, denn ich konnte (und kann) stundenlang mit dem Game Boy Color (also dem Vorgänger des Game Boy Advance) zocken, ohne dass mir die Finger schmerzen. Und auch mit dem Nachfolger, dem Game Boy Advance SP lässt sich prima spielen. Kein Wunder, denn bei ihm wurde erstmalig auf Mikrotaster, anstelle der Gummimembranen als Druckpunkt für die Knöpfe gesetzt. Entsprechend fühlt sich auch das Steuerkreuz wesentlich angenehmer an.

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Die Einstiegsfrage bleibt aber bestehen: Warum zur Hölle ist also das D-pad unserer gepimpten GBA-Konsole so schlecht? Ich habe noch etwas herumexperimentiert und ich glaube ich habe da eine Theorie. Selbst im Vergleich zu einer originalen (also nicht umgebauten) GBA-Konsole (oben im Bild) wirkt das Steuerkreuz des mit IPS-Display versehenen Game Boys (unten) sehr schwammig. Wenn ich raten müsste, würde ich darauf tippen, dass derjenige, der den Umbau gemacht hat, die ggf. abgenutzten Gummimembranen gegen neue, von Drittherstellern billig produzierte Membranen getauscht hat. Vielleicht ist aber auch das Steuerkreuz an sich ein Nachbau. Wer weiß. Jedenfalls lässt sich dadurch auf Dauer nicht mit dem Game Boy spielen.

Not so fun Fact: So richtig kann ich demjenigen, der das Gerät umgebaut hat, allerdings keinen Vorwurf machen. Es ist bekannt, dass die Austauschmembranen nicht an die Qualität der originalen Gummis herankommen. Sofern nicht irgendwann jemand etwas besseres produziert, ist es wohl eine Frage der Zeit, bis man kaum mehr gut bedienbare Game Boy Konsolen finden wird! 🙁

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Scheinbar bin ich mit dieser Meinung nicht alleine, denn es gibt findige Bastler, die Platinen entwickelt haben, um die auf Gummimembran basierenden Knöpfe des GBA in taktile Schalter – so wie sie beim GBA SP zum Einsatz kommen – umzubauen. Klingt nach einer interessanten Idee! 🙂

Ein entsprechender Bausatz ist schnell bestellt. Mit knapp 20€ sind die Platinen nicht gerade billig, allerdings muss man zugeben, dass es sich – mal wieder – um ein sehr nischiges Produkt handelt und ich kann mir nicht vorstellen, dass man durch den Verkauf solcher Teile reich wird! 😀

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Der Einbau ist im Prinzip recht einfach. Ist die Konsole erst mal geöffnet…

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…lassen sich die Schrauben vom Mainboard entfernen…

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…und die Platine auf die Rückseite legen:

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Dort wo das D-Pad seine Kontaktpunkte hat…

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…müssen wir nun die runde Platine mit den taktilen Schaltern auflegen…

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…und mit dem GBA-Mainboard an fünf Stellen verlöten. Mit etwas Flussmittel, ein wenig Lötzinn und Geduld ist das schnell erledigt:

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Als letztes muss noch die Gummimembran mit Kontakten gegen den mitgelieferten Gummi samt Druckpunkten für die Schalter getauscht werden:

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Damit ist es eigentlich auch schon getan. Bevor wir die Konsole allerdings wieder zusammen bauen, sollten wir uns noch um eine Kleinigkeit kümmern. So schön die taktilen Schalter sind, ein kleines Problem gibt es mit dem Umbau leider. In seiner Grundform lassen sich alle vier Richtungstasten des Steuerkreuzes auf einmal drücken, wenn man mittig auf das D-Pad drückt. Das ist nicht ideal, weil man so bei einigen Spielen permanent in unterschiedliche Richtung läuft, die Eingabe komplett ignoriert wird oder das Spiel völlig willkürlich reagiert.

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Um die Druckpunkte auf die jeweilige Richtung (links, rechts, hoch und runter) zu beschränken, müssen wir es irgendwie schaffen, dass das Steuerkreuz in der Mitte etwas höher liegt. Dafür kann ein kleines Stück Plastik verwendet werden. Ich habe z.B. einfach den Boden eines leeren Joghurtbechers passend zurechtgeschnitten und mittig zwischen die Schalter gelegt.

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Nun können wir den Game Boy aber wieder zusammenschrauben. Ich hoffe wirklich, dass es das letzte Mal war, dass wir das Ding auseinandernehmen mussten! 😀

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Zumindest war der Umbau erfolgreich. Dank der taktilen Schalter lassen sich die Spiele perfekt steuern und das schwammige, unpräzise Gefühl ist endlich weg. Ich könnte mir vorstellen, dass man so auch mehr als zehn Minuten spielen kann, ohne dass der Daumen schmerzt. 🙂

Fun Fact: Theoretisch ist bei dem Set auch eine Platine dabei, mit welcher sich der A- und B-Knopf des GBA mit Schaltern (anstelle der originalen Gummimembranen) versehen lassen würde. Darauf habe ich aber absichtlich verzichtet, weil mir der Druckpunkt von den beiden Knöpfen auch ohne Taster dahinter bereits gut gefällt. Letztendlich war ja nur das Steuerkreuz ein Problem.

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Insgesamt betrachtet bin ich mit dem Game Boy Advance wirklich zufrieden. Dank gepimpten Steuerkreuz und verstellbarem IPS-Display ist die Handheld-Konsole für so ziemliche jede Situation gut gerüstet. Ich könnte mir vorstellen, dass das Gerät mein neuer „Daily Driver“ wird. Ob dem wirklich so ist, lässt sich nur auf einem Weg herausfinden: Zocken! 😉

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In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!