retrololo

#356 – GB/C Flash Cart Update

In letzter Zeit ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich nicht, bzw. nur schwer mit Dingen abschließen kann, wenn sie nicht nach meinem Anspruch erforscht, bzw. erledigt sind.

Not so fun Fact: Beispiel gefällig? Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie häufig die Zeilen, die ihr gerade lest, überarbeitet wurden, bis ich endlich damit zufrieden war! xD

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Dieser zum Perfektionismus neigende, hohe Qualitätsanspruch hat mir schon häufig Kopfzerbrechen bereitet. Selbst bei den typischen Low-Budget-Projekten, bei denen man dank irgendwelcher Schrott-Teile nicht wirklich von perfekten Rahmenbedingungen sprechen kann, will ich immer das Beste rausholen. Auch merke ich, wie wichtig es mir ist, dass Dinge verwendet werden. Wenn z.B. irgendwo noch ein bisher nicht verwendetes Ersatzteil herum liegt, fällt es mir schwer, genau diese Tatsache (es liegt etwas ungenutzt in der Ecke) zu ignorieren. Ich verspüre einen Drang, so ein Teil irgendwo einzubauen. Und wenn es defekt sein sollte, werfe ich es nicht weg. Stattdessen schießen mir zig Ideen in den Kopf, was man noch alles damit anstellen könnte. Echt schlimm! 😀

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Zum Erwachsen sein gehört aber, dass man manchmal Dinge „einfach gut sein lassen“ muss. Ich habe den Eindruck, dass es viele Leute gibt, die das recht gut können. Ich verstehe gar nicht wie? Wenn einen etwas interessiert, dann will man doch dran bleiben und ein Thema vollständig durchdringen, oder? Gefährlich wird es dann, wenn auch noch Ehrgeiz dazu kommt. Ich gebe es offen zu – gerade im „Aufgeben“ bin ich nicht wirklich gut…

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Trotzdem zwinge ich mich mittlerweile immer mehr dazu abzuwägen, ob es sich lohnt ein Thema zu verfolgen oder im Anbetracht der verfügbaren Lebenszeit die paar freien Stunden lieber in etwas anderes zu investieren. Es gibt einfach so viele Dinge, mit denen man sich beschäftigen könnte, bzw. manchmal auch leider beschäftigen muss. Was soll man sagen. So ist das Leben.

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So, genug sentimentales Geschwafel. Wird Zeit, wieder in der Realität anzukommen. Ein Thema welches definitiv nicht ignoriert werden kann, sind diese unbestückten Platinen! 😉

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Langjährigen Blog-Lesern sollten die Dinger noch aus Artikel 215 bekannt vorkommen. „Damals“ haben wir mit Hilfe so einer speziellen Platine, einem Game Boy Spendermodul sowie einem Flashbaustein eine eigene „Flash Cart“ (ein spezielles Game Boy Modul, welches sich mit einer ROM-Datei beschrieben lässt) gebaut. Erinnert ihr euch?

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Wie es der Zufall will, bin ich noch an ein paar weitere solcher Platinen gekommen. Dabei handelt es sich um Restbestände, die mutmaßlich im Müll gelandet wären. Ihr kennt mich – ich habe ein Herz für alte Elektronik und so sind die Dinger jetzt unser Problem! 😛

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Bei genauem Blick fällt auf, dass es sich um Platinen für MBC5- sowie MBC3-Module handelt. Seht es mir nach, dass ich an dieser Stelle nicht wieder in die Theorie abdriften möchte. Wen die technischen Rahmenbedingungen interessieren, dem kann ich Artikel 215 ans Herz legen. Einfach gesagt, bedeutet das, dass wir mit den Platinen Game Boy Module mit einer unterschiedlichen Hardwarekonfiguration (Speicher für ROM-Datei des Spiels, RAM-Baustein, ggf. eine Real-Time Clock zum Erhalt der Uhrzeit im ausgeschalteten Zustand) bauen können.

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Hier die konkreten Unterschiede zwischen den beiden Modultypen:

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Da die Platinen jetzt schon mal hier sind, macht es Sinn, diese auch zu bestücken und so ein paar Flash Carts zu bauen. Solche Dinger kann man immer brauchen – sei es nun für Game Boy Fernbedienungen (Artikel 93) oder diverse ROM-Hacks, die man auf echter Hardware mit echten Modulen zocken möchte (Artikel 215).

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Klingt cool. Was brauchen wir dafür? In jedem Fall ein paar Flashbausteine. Leider werden diese schon seit Jahren nicht mehr produziert und sind entsprechend schwer zu finden. Ich habe echt ewig gesucht, bis ich die folgenden Chips vom Typ „AM29F016B-90EC“ (16 mBit = 2MB, TSOP-48) und „AM29F080B-75ECT“ (8 mbit = 1MB, TSOP-40) für einen halbwegs akzeptablen Preis auftreiben konnte:

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Dann brauchen wir noch Spendermodule für die ganzen restlichen Teile (Kondensatoren, MBC- und RAM-Chips). Wie bereits in Artikel 215 erwähnt, schlachte ich eher ungern funktionierende, originale Cartridges. Bei der Menge an Platinen lässt es sich aber wohl nicht vermeiden, denn so viele defekte Module (bei denen nur die Platine selbst oder der ROM-Chip defekt ist) zu finden, würde vermutlich Jahre dauern. Letztendlich habe ich mich als Kompromiss für ein paar sehr günstige, japanische Spiele entschieden, die in recht großen Mengen produziert wurden. Anhand der Titel erkennt man, dass die Auswahl nicht zufällig war. So sollten die Spenderplatinen bestimmte Kriterien (z.B. korrekter Typ des MBC-Chips oder bestimmte Größe des SRAMs) erfüllen, damit die Flash Carts später auch wirklich funktionieren.

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Der Plan ist es, die Komponenten von den originalen Platinen zu entlöten und auf die Flash Cart Platinen aufzusetzen. Auf den ROM-Chip können wir verzichten, da dieser ja durch einen Flashbaustein ersetzt wird. Ebenso können wir uns das Auslöten der Knopfzelle sparen. Nach all den Jahren sind die Batterien meist leer und es macht mehr Sinn, neue Knopfzellen oder gleich einen Knopfzellenhalter (siehe Artikel 95) zu verlöten.

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Jou, dann müssen wir ja eigentlich nur noch das alles verlöten…

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Ich gebe es zu: Dieses Mal habe ich es mir leicht gemacht und die Lötarbeiten von einem Fachmann durchführen lassen. Ich weiß, nicht gerade im DIY-Sinne, aber seht es mir nach: Für solche feinen SMD-Arbeiten bräuchte man idealerweise eine Heißluftlötstation oder man kämpft stundenlang mit einer Platine. Dafür fehlen mir einfach Zeit, Skill und das passende Werkzeug.

Not so fun Fact: Es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der Zeit und Lust hat, mir die 16 Module zu basteln. Kein Wunder – das ist schon ein recht spezieller Auftrag. Dementsprechend war das auch leider nicht ganz billig und ich musste mehrere Monate auf den Umbau warten.

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Nachdem die fertigen Module jetzt endlich wieder hier sind, sollten wir mal testen, ob sie sich sauber beschreiben lassen. Dafür können wir z.B. den GB Cart Flasher aus Artikel 93 verwenden.

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Mit entsprechender Software ist schnell eine ROM-Datei auf die Karte geflashed:

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Hier läuft beispielsweise der Pokémon Kristall ROM-Hack „Pokémon Prism“. Schon irgendwie cool, das Spiel auf echter Hardware mit einem echten Modul zu spielen! 🙂

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Damit es auch mit dem SRAM zum Erhalt des Spielstands klappt, muss noch eine Knopfzelle verlötet werden. Wie immer nehme ich dafür gleich einen Batteriehalter – schließlich möchte ich es dem Zukunfts-retrololo so einfach wie möglich machen! 😀

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Wisst ihr was echt ärgerlich ist? Eines der Module hatte scheinbar einen Kurzschluss. Das hat dafür gesorgt, dass ein SMD-Kondensator auf dem Flash-Programmer in Rauch aufgegangen ist und er nicht mehr funktioniert. Ich habe das Ding notdürftig mit einem Stück Draht geflickt. Auf den ersten Blick scheint der Flasher wieder zu funktionieren, aber meine Hand würde ich nicht ins Feuer legen, dass das Gerät noch zu 100% ordnungsgemäß arbeitet.

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Das ist aber kein Problem, denn die restlichen Module lassen sich auch mit den beiden selbstgebastelten „Cart Readern“ (siehe Artikel 184 und 221) beschreiben:

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Je nach Modell geht das entweder per USB über den seriellen Monitor der Arduino-IDE oder per eingebautem Display auf dem Gerät selbst. Wie gesagt, es macht wenig Sinn, das alles nochmal zu wiederholen. Wen das Zeug interessiert, der ist gerne dazu eingeladen, Details über die Geräte und Flashkarten in den alten Beiträgen nachzulesen! 😉

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Bei insgesamt vier Modulen ist leider der frisch verlötete Flash-Chip defekt und somit lassen sie sich gar nicht (mehr) beschreiben. Das ist sehr schade, aber letztendlich auch keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass diese Flashbausteine auch schon über 30 Jahre alt sind.

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Das war es leider noch nicht mit den schlechten Nachrichten, denn bei vier weiteren Modulen ist der SRAM-Chip defekt, das bedeutet, dass sich keine Spiele darauf flashen lassen, die ihren Spielstand speichern. Das wusste ich allerdings im Vorfeld und habe mir auch schon Gedanken gemacht, was man trotzdem noch damit anfangen könnte.

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Wäre es nicht cool, eine kleine Diashow mit eigenen Bildern auf dem Game Boy ansehen zu können? Und das beste – wir müssen nicht mal selbst etwas entwickeln! Der „Game Boy Slideshow Generator“ ist eine in JavaScript entwickelte Anwendung, welche nämlich genau das kann.

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Ist das Tool erst mal heruntergeladen (oder direkt online aufgerufen) müssen lediglich die in eine Diashow zu verwandelnden Bilder per Drag and Drop in den Browser gezogen werden. Je nach Gusto können dann noch Dinge wie Helligkeit oder Kontrast angepasst werden. Ebenso lässt sich festlegen, ob die Bilder manuell oder automatisch als Diashow nach einer bestimmten Anzahl an Sekunden weiter geschaltet werden sollen.

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Der Clou – die Bilder können nicht nur auf einem Game Boy (Pocket) in Grau- bzw. Grüntönen, sondern sogar auf einem Game Boy Color in Farbe dargestellt werden. Gerade die Darstellung in Farbe erfordert einige technische Kniffe und es würde mich glatt interessieren, so etwas mal selbst zu entwickeln, oder zumindest die Technik dahinter zu verstehen. Wenn nur die Zeit nicht wäre! 🙁

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So ein Game Boy Modul mit persönlichen Bildern ist das perfekte Mitbringsel für einen Nerd zum Geburtstag oder zur Hochzeit, findet ihr nicht? Zumindest ist es eine originelle und sehr kreative Geschenkidee. Zugegeben – alternativ kann man so ein Ding aber auch einfach nur dazu nutzen, diverse Memes auf einem Game Boy anzuzeigen! 😛

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Schluss für heute. In jedem Fall bin froh, dass wir die restlichen Module, bzw. Platinen auch noch aufarbeiten haben lassen. Klar war es nicht ganz billig und irgendwie ist es schon schade, dass wir so viel „Ausschuss“ (letztendlich fünf defekte Module) haben, aber ich denke, irgendwo muss man es auch mal gut sein lassen. Immerhin sind bei der Aktion schlussendlich zehn funktionsfähige Flash Carts herausgesprungen und ich bin mir sicher, dass wir diese im Rahmen zukünftiger Bastelprojekte gut gebrauchen können.

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In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!