Ob wir wohl jemals mit dem PC fertig werden? So langsam bin ich skeptisch. Da war ich beim letzten Mal noch so happy, dass ich endlich eine geeignete Grafikkarte für den kompakten Acer-Computer gefunden hatte und dann überhitzt das Teil innerhalb weniger Sekunden. Und alles nur, weil diese blöde GPU nicht gekühlt ist!
Not so fun Fact: Ich habe den PC wenige Minuten laufen lassen und selbst unter MS-DOS fängt das Bild dann langsam an zu zittern und es treten Grafikfehler auf. Der Chip wird einfach zu heiß. 🙁

Ok, dann packen wir halt einen passenden Kühler samt Kühlkörper auf das Ding, oder? Leichter gesagt, als getan, denn leider konnte ich nirgendwo eine passende Kühleinheit finden, die auf die in der Karte eingelassenen Bohrungen passt. Klar könnten wir jetzt einfach einen passiven Kühlkörper auf den Chip kleben (so wie man es z.B. häufig bei Raspberry Pis macht), besser wäre allerdings schon eine aktive Kühlung mit einem Lüfter. Nach Stunden der Recherche im Internet bin ich dann doch noch fündig geworden – und zwar in meinem Keller!

Dieser Kühlkörper samt Mini-Lüfter hängt aktuell noch an einem Pentium MMX-Prozessor, könnte aber von der Größe her ideal für unsere GeForce sein. Die alte CPU ist schnell entfernt, die eingetrocknete Wärmeleitpaste hat sich da schon mehr gewehrt. Immerhin habe ich in der Kabelkiste auch noch einen passenden Stecker gefunden, mit dem wir den Lüfter am PC anschließen können.

Leider besitzt die Grafikkarte keinen direkten Anschluss für den Lüfter und mangels Alternative bleibt uns nichts anderes übrig, als den Strom direkt vom Netzteil (konkret vom Berg-Stecker, welcher jetzt nicht mehr benötigt wird, da wir kein Diskettenlaufwerk mehr verbaut haben) abzugreifen. Besser wäre es vermutlich, das mit einem Stecker zu lösen (und nicht einzelne Adern zu verlöten), aber da habe ich derzeit nichts passendes da und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch keine Lust, wieder mehrere Tage auf ein Ersatzteil zu warten. Gerade wenn sich so ein Projekte eh schon etwas hinzieht, gilt es, möglichst schnelle und einfache Lösungen zu finden, um voran zu kommen. 🙂
Fun Fact: Den 150 Ohm Widerstand habe ich dazwischen gelötet, damit sich der Lüfter etwas langsamer dreht. Warum das? Nun, der Lüfter hat leider keine Steuerungsmöglichkeit (PWM-Signal) und bei einem ersten Test ist aufgefallen, dass das Ding bei voller Laufleistung extrem laut ist. Das möchte ich eigentlich nicht, weil man ja meist recht nah vor dem Kompakt-PC sitzt. Ich hoffe einfach mal, dass auch eine mittlere Laufleistung noch für genügend Kühlung des GPU-Chips sorgt.

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie wir das Ding auf dem Chip befestigen. Auch hier wäre es vermutlich besser, etwas zu konstruieren und mit dem 3D-Drucker zu bauen, aber das würde auch wieder einiges an Zeit kosten. So ist es – neben etwas Wärmeleitpaste zwischen der GPU und dem Kühlkörper – letztendlich eine einfache Holzhalterung geworden, welche mit zwei Schrauben an der Karte befestigt ist. Sicher etwas improvisiert und alles andere als schön, aber die Konstruktion hält erstaunlich gut und tut was sie soll.

Jetzt können wir die GeForce wieder im PC verbauen und das Ding hoffentlich ein für alle Mal verschließen. Ich will gar nicht mehr daran denken, wie häufig ich den PC mittlerweile zusammen- und wieder auseinandergebaut habe! 😀

Dabei fällt mir ein – um eine Sache müssen wir uns noch kümmern: Wir sollten den Alarm abstellen! Moment, was? Beim Testen des Computers ohne Gehäuse ertönt ein ohrenbetäubendes Alarmsignal, welches die örtliche Feuerwehrsirene in den Schatten stellt. Das liegt an einem (oberhalb der Abdeckung zum Festplattenwechsel) gelegenen Mechanismus, welcher mit Hilfe eines Druckschalters prüft, ob das Gehäuse geschlossen ist. Ist das nicht der Fall ist Party angesagt und der PC bleibt mit entsprechender akustischer Untermalung direkt nach dem Start im BIOS hängen. Gut, dass wir das Ding einfach abschrauben und die Kontakte am Mainboard mit einem Jumper überbrücken können! 😉

Apropos BIOS: Wisst ihr, was merkwürdig ist? Sobald man im BIOS das Diskettenlaufwerk deaktiviert, fährt der PC nicht mehr hoch. Ich hatte genau das versucht, weil wir ja kein Floppylaufwerk mehr angeschlossen haben, aber leider verweigert das System dann den Start und quittiert dies mit einem merkwürdigen „Equipment Configuration Error“. Sehr mysteriös!

Also gut, dann bleibt das nicht vorhandene Laufwerk eben aktiviert. So, jetzt ist aber wirklich Schluss mit Hardware und wir sollten endlich ein vernünftiges Betriebssystem auf dem PC installieren. Letztendlich habe ich mich für Windows 98 in der Second Edition entschieden. Das ist etwas ressourcenschonender als Windows 2000 und unterstützt wesentlich mehr Spiele und Treiber, als das für Bürotätigkeiten ausgelegte, auf dem Windows NT-Kernel basierende, Win 2K.

Vor der Installation müssen wir die Festplatte auf FAT32 partitionieren und formatieren. FDISK hat einen Anzeigefehler bei größeren Datenträgern und denkt, der Datenträger wäre nur ca. 10 Megabyte groß. Trotzdem lassen sich im Anschluss die vollen 80 Gigabyte formatieren. Technik, die begeistert, oder?

Im Anschluss müssen wir das Setup mit dem etwas kryptischen Parameter „/is“ aufrufen, damit wir nicht die ScanDisk-Routine durchlaufen müssen. Windows 98 ist da etwas zickig und will unbedingt vor der Installation die Festplatte inspizieren. An und für sich habe ich nichts dagegen, den Datenträger überprüfen zu lassen, aber das Tool läuft so langsam, dass – meiner Hochrechnung zufolge – der Vorgang für unsere 80 Gigabyte-Festplatte insgesamt ca. 20 Stunden dauern würde. Seht es mir nach, dass ich echt keine Lust habe, so lange zu warten! 😀

Das Windows 98 Setup läuft dann überraschend problemlos ab.

Beim Anblick der Installationsdialoge wird mir richtig warm ums Herz. Es fühlt sich fast so an, als trifft man einen Freund aus Jugendtagen, den man seit Jahren nicht gesehen hat! 🙂

Eine Startdiskette können wir – dank fehlendem Laufwerk – nicht erstellen. Das ist nicht schlimm, schließlich könnten wir die Disk ja ohne Floppydrive auch gar nicht verwenden. 😀

Natürlich nervt uns auch bei diesem Uralt-Betriebssystem die Product-Key-Abfrage. Manche Dinge ändern sich einfach nie! xD

Nach mehreren Neustarts ist es dann geschafft und wir können Windows 98 in seiner vollen Pracht genießen:

Na ja, noch nicht ganz, denn leider liefert das System von Haus aus nicht alle Treiber für unseren PC mit und so müssen wir einiges händisch installieren:

Auf Treiber für Modem- und Netzwerkkarte verzichte ich einfach mal. Ich kann mir nicht vorstellen, den PC jemals in ein Netzwerk einzubinden. Was dagegen wichtig ist, ist der universelle USB-Gerätetreiber. Schließlich brauchen wir eine Möglichkeit, Daten auf den Computer zu bringen.
Not so fun Fact: Ich musste extra eine CD mit ein paar Treibern (wie z.B. dem USB-Treiber) brennen. Halt, das ist gelogen. Tatsächlich musste ich zwei CDs brennen, weil das Laufwerk sich bei der ersten Scheibe „verbrannt“ und bei 77% einfach den Dienst eingestellt hat. Was lernen wir daraus? Bei so einem Retro-Vorhaben ist leider auch mit Retro-Problemen zu rechnen! 😉

Mindestens genau so wichtig ist der NVIDIA-Grafiktreiber, denn ohne den wird es nichts mit 3D-Spielen:
Not so fun Fact: Leider gibt es gefühlt hundert verschiedene Treiber und Versionen für Grafikkarten und die eine Bibliothek zu finden, die mit der eigenen Hardwarekonfiguration klar kommt, gleicht der Suche einer Nadel im Heuhaufen. Ich musste zwei bereits gefundene Treiber wieder im abgesicherten Modus (F8 beim Start) deinstallieren, weil der PC kein Bild mehr ausgeben wollte. Spaß pur! 😛

Passend dazu brauchen wir eine aktuellere DirectX-Version, welche per Direct3D unsere Geforce 2 MX entsprechend ansteuern kann. Version 8.1b ist das letzte, für Windows 98 verfügbare Release:

Nach einem weiteren Neustart können wir dann endlich die Auflösung von 640×480 auf 1024×768 anpassen. Sieht doch gleich viel besser aus!

Auch ein paar Audiotreiber wollen installiert werden. So ganz ohne Ton lässt es sich halt einfach schlecht zocken! 😉

Bei deren Installation gab es ein Problem mit fehlenden Dateien und standesgemäß musste mehrfach zwischen der Treiber-CD und dem Windows-Installationsdatenträger hin- und hergewechselt werden. Ich sehe schon, wir bekommen wieder das volle Programm an potenziellen Fehlern! 😀

Und wenn wir schon bei spaßigen Treiberaktionen sind: Ich musste zweimal das System neu installieren (also komplett neu, inkl. Formatierung der Festplatte), weil mir die Intel-Chipset-Treiber (jeweils in unterschiedlichen Versionen) die USB-Unterstützung zerschossen haben und der PC somit auf keinerlei Eingaben (sei es nun über Maus oder Tastatur) mehr reagiert hat. Selbst im abgesicherten Modus haben sich die Chipsatz-Treiber nicht wieder deinstallieren lassen. Richtig super!

Aber auch das ist irgendwann geschafft und so langsam kommt unser Windows 98 System in einen brauchbaren Zustand. Nachdem das Grundgerüst steht, können wir uns jetzt um zwei kleine Schönheitsfehler kümmern. Eine Sache, die mich z.B. extrem stört, ist, dass nach jedem Neustart die Feststelltaste wieder aktiviert ist. Scheinbar ist das ein bekanntes Problem unter Windows 98, welches auf Grund einer Inkompatibilität des DOS-Tastaturtreibers KEYB.COM und des Windows-Treibers entsteht. Immerhin lässt es sich recht leicht über einen Eintrag in der AUTOEXEC.BAT beheben, welcher einen alternativen Tastaturtreiber (KEYBRD2.SYS) lädt:

Etwas blöd ist auch, dass der Windows Explorer das A:\-Laufwerk anzeigt, obwohl ja gar kein Diskettenlaufwerk verbaut ist. Selbst, wenn wir das Laufwerk im BIOS deaktivieren (und per Tastendruck den kryptischen Fehlers beim Start des PCs ignorieren), erscheint das Laufwerk noch immer im Dateimanager. Erst Mit Hilfe von „TweakUI“, ein von Microsoft auf einigen Installations-CDs mitgeliefertes Werkzeug zur grafischen Anpassung von Registry-Werten, können wir Windows dazu überreden, das Laufwerk zu ignorieren und nicht anzuzeigen.

So, ich denke damit sollte der PC jetzt aber wirklich perfekt für die Installation von ein paar Spielen gerüstet sein. Das müssen wir allerdings aufs nächste Mal verschieben. Es ist unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sich in etwas hineinsteigert. xD
Fun Fact: Als letzte Amtshandlung wird noch der kultige Labyrinth-Bildschirmschoner eingestellt. Ohne den geht es einfach nicht! 😛

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!