Alt werden ist kacke.

Es gibt so einige Dinge, die ich am „Kind sein“ vermisse, aber wisst ihr, was mir am meisten abgeht? Weihnachten!

Hm? Aber wieso das denn, lieber retrololo? Ein gepflegtes Weihnachtsfest kann man doch auch noch als Erwachsener feiern? Das stimmt, aber sind wir mal ehrlich: Die Magie von Weihnachten hat sich schon lange verflüchtigt, weil das Drumherum eigentlich nur noch aus Stress besteht: Einkäufe planen, Feste organisieren, Geschenke besorgen, einen Zeitplan erstellen, um möglichst sämtliche Familienmitglieder mindestens einmal besuchen zu können, sich mehrfach komplett überfressen und dann auf der Couch weg pennen, nur um festzustellen, dass die Feiertage schon vorbei sind. Irgendwie hat Weihnachten seinen Glanz verloren. Früher war mehr Lametta.

Wenn ich eine Sache benennen müsste, die im Lauf der Jahre abhanden gekommen ist, dann ist es die Unbeschwertheit, das Weihnachtsfest im Kreise der Familie ohne Sorgen und Verpflichtungen zu verbringen und sich einfach nur auf einen Abend, an dem man einen Haufen Geschenke bekommt, zu freuen. Tja, was soll man sagen? Dieses Konzept heißt „Erwachsensein“ und so ist das Leben. Man muss das Beste daraus machen und sich über die kleinen Dinge freuen. Schon klar, trotzdem wirkt mittlerweile alles so unfassbar „durchgeplant“ und es braucht schon viel, um einen noch aus der Fassung zu bringen, bzw. zu überraschen – gerade was Geschenke angeht!

Einer dieser kleinen Überraschungsmomente hat mich „neulich“ ereilt, als mir ein alter Freund bei einem Besuch in einer griechischen Taverne drei CDs auf den Tisch knallte – fein säuberlich verpackt in Geschenkpapier. Nanu? Ein völlig unerwartetes Geschenk ohne großen Anlass? Es fühlte sich fast so an, als wäre ich wieder ein Kind an Heiligabend. Okay – da erwartet man Geschenke, aber zumindest war das „Gefühl der Überraschung“, weil man nicht weiß, was man bekommt, das gleiche.
Fun Fact: Leider habe ich kein Bild der verpackten CDs gemacht, darum stammt das folgende Bild aus einem Online-KI-Bildgenerator. Schon verblüffend, was mittlerweile alles machbar ist! 🙂

Es dauerte nur wenige Sekunden, die drei mutmaßlichen CDs aus dem Papier zu befreien. Mal sehen, was haben wir denn da?

Oha! Vintage-Computerspiele? Na, damit hat der Schenkende bei mir als alten Retro-Hasen natürlich einen Nerv getroffen und ich fühle mich geradezu verpflichtet, mir die Spiele etwas näher anzusehen. Hat jemand Lust auf ein paar Spielhallen-Hits? 🙂
Not so fun Fact: Auch wenn ich das hier alles so euphorisch schreibe – ich kann euch gar nicht sagen, wie lange diese CDs schon wieder auf dem „To-do-Stapel“ liegen. Müsste ich raten, würde ich darauf tippen, dass es bestimmt schon wieder zwei Jahre (!) sind. Ich weiß, das ist mir auch peinlich, aber die Zeit vergeht einfach so unfassbar schnell und irgendwie gibt es immer was zu tun… Sorry, René!

Die Hülle alleine versprüht schon eine Überdosis an Nostalgie. Für 14,95 DM bekommen wir die 4. aktualisierte Auflage der Spielhallen-Hits mit ausgewählten Hits… aus der Spielhalle. Spinne ich, oder stehen da, auf der Innenseite der Hülle direkt neben der CD, tatsächlich die Worte „REINSTECKEN UND LOSLEGEN“? Na das nenne ich mal ein potentes Motto! 😛

Müsste ich raten, würde ich darauf tippen, dass sich auf der CD zahlreiche IBM-PC-Portierungen von populären Spielhallen-Klassikern befinden. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich dabei größtenteils um unlizenzierte Klone handelt, da viele der Namen leicht abgewandelt wurden (aber dennoch erschreckend nah am Original sind). Beispiele gefällig? Sagen euch die Titel „Tertix“, „Kong“ oder „Missil Command“ etwas? Besonders hervorzuheben ist „Clone Invader“ (auf der Vorderseite der CD noch als „Clone Invaders“ bezeichnet). Das nenne ich mal Transparenz: Hier hat man gleich im Titel des Spiels zugegeben, dass es sich um einen offensichtlichen Klon von „Space Invaders“ handelt! 😀
Fun Fact: Wer genau hingesehen hat, konnte vielleicht schon erspähen, dass es sich bei den Spielen um Shareware-Versionen handelt. Im Endeffekt ist das Software, die potentiell käuflich erwerbbar ist, aber auch ohne einen Kauf in eingeschränkter Form zeitlich unbefristet genutzt werden kann.

Genug gespottet, ich habe jetzt Lust auf eine Runde zocken. Anhand der Systemanforderungen (386DX, 4MB RAM, VGA-Grafikkarte, DOS 5.0 sowie Windows 3.11) merkt man, dass es sich definitiv um ältere Spiele handelt. Ich denke wir können mal versuchen, die Games auf dem Tema TC DT325SX Computer aus Artikel 272 zum Laufen zu bringen.

Warum genau auf dieser Büchse? Nun, einerseits passt der Rechner ziemlich exakt auf die Systemanforderungen, andererseits ist darin das stylishe Mitsumi-CD-ROM-Laufwerk (siehe Artikel 276) verbaut. Was soll ich sagen – ich finde das Ding einfach nur cool! 🙂

Auf der CD selbst befindet sich dann leider ein nur für Windows konzipiertes Installationsprogramm, allerdings lassen sich im Verzeichnis C:\DOS die Spiele auch unter MS-DOS starten.

Hier läuft z.B. „Asteroid“, ein farbiger „Asteroids“-Klon:

Die meisten der Spiele lassen sich direkt von CD starten. Allerdings kann es dank der fehlenden Schreibrechte zu Fehlern, wie z.B. dem Verlust eines erlangten High Scores kommen.

Wie vermutet scheint es sich überwiegend um PC-Portierungen von Spielhallen-Klassikern zu handeln. Hier laufen z.B. „Balltris“ und „Blasteroids 3D“:

Nicht so euer Ding? Wie wäre es dann z.B. mit „Kix“ oder „Mario Bros. VGA“? Gerade letzteres sollte Spielhallen-Veteranen noch ein Begriff sein! 😉

Apropos Mario: Einige der Spiele auf der CD müssen installiert werden, damit sie funktionieren. „Mario!!!“ ist da so ein Fall:

Bei dem Game handelt es sich um einen erstaunlich akkuraten Klon von „Super Mario Bros“, welches Konsoleros (bzw. jeder Gamer, der nicht unter einem Stein lebt) bereits vom NES kennen.

Die meisten Spiele sind schon eher simpel gestrickt, machen aber trotzdem Spaß. „Skyroads“ erinnert mich irgendwie an das Superball-Spiel, welches früher immer auf dem TV-Sender Sat.1 im Frühstücksfernsehen lief. Kennt das noch jemand? 😀
Fun Fact: Das TV-Spiel aus den Neunzigern hat scheinbar einen bleibenden Eindruck bei den Zuschauern hinterlassen und so wurde es auf Wunsch zahlreicher Fans 2019 neu aufgelegt! 🙂

Neben den Spielen finde ich es auch interessant, die ganzen bunten Bildschirme mit Hinweisen zur Bestellung einer Vollversion, bzw. zur Registrierung der Software, zu begutachten. Ich weiß gar nicht genau wieso, aber irgendwie haben diese Order-Screens einfach etwas! 🙂

Manche Entwickler haben sich richtig Mühe gegeben, um die Hinweise möglichst prominent zu platzieren. Beim Tetris-Klon „Notrus“ wird z.B. ein fetter Hinweis eingeblendet, wenn man versucht die Tetrominos (so heißen die herunterfallenden Tetris-Bausteine) per Pfeil-nach-oben-Taste zu drehen! Andere Hersteller versuchen mit tollen Screenshots oder einer nervigen Hinweismeldung samt herunterzählendem Timer (um künstlich Wartezeit zu erzeugen), den Spieler zum Kauf einer registrierten Vollversion zu überreden.

Von einigen Spielen kann man noch so richtig was lernen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Schweiz – dank einer Vielzahl verkaufter Schweizer Taschenmesser – einen gewaltigen Vorrat an nuklearen Waffen aufgebaut hat und jetzt die Welt mit interkontinentalen Nuklearraketen terrorisiert? xD

Oder wie wäre es hiermit? Im Spiel „Road Hog!“ werden wir erst mal über „glückliche Kühe“ belehrt, bevor es ab auf die Rennstrecke geht. Sehr philosophisch! Fast wie bei uns Menschen – auf der anderen Seite ist das Gras irgendwie immer grüner…

Puh, jetzt müssen wir uns aber sputen, wenn wir uns auch noch die anderen beiden CDs ansehen möchten! Fangen wir mit der Pac-Man-CD an:

Für weitere 14,95 DM bekommen wir hier noch eine Spielesammlung. Scheinbar handelt es sich dabei aber tatsächlich „nur“ um ein Konvolut diverser Pac-Man-Versionen für MS-DOS. Die Beschreibung der jeweiligen Spiele wirken irgendwie etwas nichtssagend finde ich…

Schon verblüffend, dass für Pac-Man – was ja ein vergleichsweise eher simples Spiel ist – höhere Systemanforderungen genannt werden. So benötigen wir angeblich einen 486SX-Prozessor. Gut, dass wir mit dem Sysline SLT450 aus Artikel 251 ein passendes Gerät zur Verfügung haben:

Und wie sehen die Spiele aus? Nun, zumindest die Titelbildschirme machen einen guten Eindruck. Ich musste schon mehrfach über die tollen Pixelgrafiken und überdrehten Motive schmunzeln:

So oder so – dahinter verbirgt sich dann aber trotzdem nur Pac-Man – in mehr oder weniger abgedrehten Varianten. Mal etwas bunter, mal deutlich spartanischer. Spielerisch sind sich alle Versionen sehr ähnlich. Pac-Man halt. 🙂

Viel mehr gibt es tatsächlich nicht über die Pac-Männer zu sagen, also halten wir uns nicht lange auf und schauen uns fix noch die letzte CD an.

„Moorhuhn Atlantis“ ist definitiv was Neueres, denn das Jump ‘n‘ Run benötigt gleich einen Pentium 4 mit mindestens 1,4 Gigahertz, 512 MB Arbeitsspeicher sowie eine Grafikkarte mit 64 MB Videospeicher. Oha, na da kommen wir mit den alten DOS-Rechnern nicht weit!

Einen Desktop-PC in entsprechender Ausstattung habe ich derzeit leider nicht, doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Erst kürzlich (konkret in den Artikeln 326 und 329) haben wir den Yakumo-Laptop (Modell „D27ES“) wieder flottgemacht. Das gute Stück wurde neu mit Windows XP bestückt und hat etwas zusätzlichen Arbeitsspeicher bekommen. Mit seinem 2,2 Ghz-Prozessor und den mittlerweile verbauten 512 MB RAM sollte das Gerät prima geeignet sein, um das sonst meist nur flatternd anzutreffende Moorhuhn auch zum Hüpfen zu bewegen.

Das Spiel ist schnell installiert und läuft augenscheinlich sogar ohne CD. In dem simplen Plattformer begleiten wir Moorhuhn auf der Suche nach der sagenumwobenen Stadt Atlantis.

Etwas abgefahren finde ich, dass sich das geflügelte Sumpftier im Indiana-Jones-Look dabei nicht nur boxend und springend durch die Levels bewegt, sondern auch mit einer Pistole und Granaten ausgestattet ist. Ganz schön gemeingefährlich, dieses Geflügel!
Fun Fact: Der Protagonist des Spiels, also das Moorhuhn mit Hut, heißt wohl sogar offiziell „Moorhuhn-Indy“! 😀

Also eines ist mal klar: Wenn schon Hühner mit Pistolen durch die Gegend watscheln, dann wird es definitiv Zeit, den heutigen Beitrag zu beenden! 😛 Ich hoffe euch hat die sportliche Nostalgiereise in die Zeit der Arcade-Spiele gefallen. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass wir endlich dazu gekommen sind, uns die CDs anzusehen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an René, für dieses tolle Geschenk! 🙂

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!