retrololo

#376 – Sagem MY V-75 – Leserhilfe

Vorwort: Nanu? Hast du Sommerpause oder was? Warum gab es in den letzten Wochen keine neuen Beiträge, werter retrololo?

Nun, das hat private Gründe, doch dazu ein andermal mehr. Jetzt wollen wir uns erst mal darauf konzentrieren, einen ganzen Stapel an liegengebliebenen, bzw. noch nicht aufgearbeiteten Themen anzugehen. The show must go on – los geht’s!

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Nein, bei dem heutigen Titel handelt es sich nicht um einen Schreibfehler, denn heute geht es tatsächlich nicht um eine „Lesehilfe“ (ein unentbehrliches Instrument für betagte Bastler), sondern vielmehr um eine „Leserhilfe“, also um einen Leser in Not. Ihr kommt noch nicht ganz mit? Kein Wunder, ich habe euch die entscheidenden Details ja auch noch nicht verraten! 😛

Also gut, ich erkläre es euch: Vor wenigen Tagen landete eine Mail in meinem Postfach. Ein netter Leser des retrololo-Blogs hat sich gemeldet, dass er Probleme bei der Datenübertragung von Bildern seines Mobiltelefons der Firma Sagem auf einen PC hat. Auf der Suche nach einer Lösung ist er über meinen Blog – konkret über Artikel 23 – gestolpert, doch leider hat er es mit den dort beschriebenen Schritten für ein recht ähnliches Sagem-Modell nicht geschafft, die Fotos digital zu sichern.

Mit französischen Frauen – ähm, ich meine natürlich Handys – kenne ich mich eigentlich ganz gut aus, da ich ja selbst seit Jahren ein Sagem-Modell vom Typ „my X-6“ (siehe Artikel 22) in Verwendung habe und dort schon häufig Daten per USB-Kabel zu einem PC übertragen konnte. Dementsprechend habe ich angeboten, mir das Gerät mal anzusehen. Vielleicht können wir die Bilder sichern?

Natürlich kann und habe ich keine Garantie gegeben, dass die Aktion ein Erfolg wird. Das wäre vermessen, zumal laut dem betroffenen Leser das Gerät wohl schon längere Zeit bei einem Handy Repair Shop war, welcher die Bilder zwar anzeigen, aber nicht kopieren konnte. Trotzdem (oder vielleicht genau deswegen) reizt mich diese „Retro-Challenge“! 😉

Ein paar Tage später traf dann folgendes Paket bei mir ein. Ein ganzer Satz Lade- und Verbindungskabel, insgesamt drei Handys (jeweils vom Modelltyp Sagem „MY V-75“), ein USB-Stick, eine SD-Speicherkarte, diverse Akkus und Papierkram sowie ein Infrarotadapter. Hier hat definitiv schon jemand mit der Technik „gekämpft“…

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Puh – und ich dachte mein Sagem-Handy hätte gelebt. Man merkt definitiv, dass das Mobiltelefon intensivst im Einsatz war. Die Halterung an der Oberseite ist gebrochen und so werden beide Gehäusehälften oben lediglich durch einen Streifen Klebeband zusammengehalten.

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Ansonsten erinnert mich das Modell MY V-75 sehr stark an mein my X-6. Sei es nun die Tastenbelegung, die Infrarotschnittstelle, der Schließmechanismus zum Tausch des Akkus oder der Plastikschieber als Abdeckung für die Kamera.

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Einen besonders schlechten Eindruck macht die Ladebuchse. Laut Besitzer hat diese bereits einen Wackelkontakt und funktioniert nur noch recht unzuverlässig. Dementsprechend wurde innerhalb der letzten Jahre wohl schon immer eines der anderen Handys zum Laden des Akkus verwendet und die vollgeladene Batterie dann in das heruntergekommene Gerät eingesetzt. Wild! 😀

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Gerade beim Blick auf eine intakte Buchse eines anderen Handys fällt auf, wie kaputt und dreckig die Steckverbindung des Handys mit den zu rettenden Bildern ist. Nicht nur ist sie recht dreckig, auch sieht man, dass an den Kontaktpunkten schon Teile des Plastiks gebrochen sind. Ich hoffe nur, wir können trotzdem noch ein Datenkabel anschließen!

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Immerhin geht das Ding noch an und es scheint auch so, als wäre der Akku geladen. Insgesamt sollen ca. 90 Bilder (in der Auflösung 640×480) gerettet werden. Ich sag es nur ungern, aber ich befürchte, das könnte ein ganz schöner Marathon werden!

Fun Fact: Der Besitzer des Handys war so nett und hat die SIM-Karte in dem Gerät gelassen und mir die PIN dafür mitgeteilt. Das ist wichtig, sonst könnten wir das Ding erst gar nicht starten und ohne Systemanmeldung lässt sich der Übertragungsvorgang nicht initiieren.

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Okay, wie gehen wir es an? Eigentlich würde sich das Projekt prima anbieten, einen Retro-PC heraus zu kramen, aber stattdessen möchte ich es mal mit meinem alten Windows 10 Rechner probieren. Darauf haben wir vor ein paar Jahren (ich erinnere an Artikel 23) ja schon mal eine Übertragung zu meinem Sagem-Handy hinbekommen! 🙂

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Um zu testen, ob sich noch Daten auf den PC bringen lassen, schließen wir fix mein altes Sagem my X-6 an:

Fun Fact: Das USB-Datenkabel ist noch das exakt gleiche von „damals“. Ich hoffe, dass wir das verwenden können, denn die Stecker und Buchsen (und somit auch das Kabel) sollten unter den Sagem-Modellen der „MY-Reihe“ eigentlich miteinander kompatibel sein.

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Auf Anhieb funktioniert ja eh nie was, also ist es nicht verwunderlich, dass uns beim Aufruf der Übertragungssoftware „My Pictures and Sounds“…

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…gleich mal ein Fehler entgegenspringt:

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Der gut gemeinte Hinweis, dass ein Neustart das Problem beheben könnte, ist natürlich Quatsch. Ein Blick in den Gerätemanager verrät, dass wohl eines der letzten System-Updates wieder den inkompatiblen Windows-Standardtreiber für die serielle Schnittstellen installiert hat. Super!

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Wir müssen also wie auch beim letzten Mal eine noch ältere Version des Treibers (von 2008) installieren. Ein mutiger Schritt. Gut, dass der PC mittlerweile nicht mehr am Internet hängt! 😀

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Immerhin wird nach der Installation das Handy tatsächlich erkannt…

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…und wir können testweise ein Bild übertragen. Irgendwie habe ich ein Déjà-vu! xD

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Jetzt wird es spannend: Ob das auch mit dem MY V-75 klappt? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden! Schwester Tanja, bitte schließen Sie den Patienten an die Maschine an:

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Beim ersten Versuch wird das Gerät leider nicht erkannt und die Software spuckt uns nur einen kryptischen Fehler entgegen:

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Erst nachdem ich das Kabel mehrfach ein- und ausgesteckt und die Buchse mit einem Zahnstocher, etwas Isopropylalkohol sowie einem Taschentuch gereinigt habe, will der PC mit dem Handy sprechen.

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Ein gutes Zeichen! Auch die Bildliste wird scheinbar sauber übertragen:

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Doch beim Versuch, alle Bilder auf einen Schlag herunterzuladen,…

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…bekommen wir den nächsten Fehler:

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Direkt danach stürzt das Programm ab. Was soll ich sagen? Die echt grottige „My Pictures and Sounds“ Software war leider noch nie dafür bekannt, besonders stabil und zuverlässig zu laufen. Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als jedes Bild einzeln auszuwählen und zu übertragen. Ein mühsamer Prozess!

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Trotz dieser recht vorsichtigen Vorgehensweise ist auch die Übertragung einzelner Bilder teils mehrfach abgebrochen. Ich weiß nicht, ob es am Wackelkontakt an Ladebuchse, der schrottigen Sagem-Software, einem inkompatiblen Windows-Treiber oder falsch gesetzten Sitzungseinstellungen an der serielle Schnittstelle (z.B. Baudrate, Parität, Stoppbits, etc.) liegt. Hier ein kleines Potpourri der am häufigsten aufgetretenen Fehlermeldungen. Ein wirkliches Muster lässt sich dabei nicht erkennen. Es wirkt fast so, als wäre es davon abhängig, ob gerade eine Sternschnuppe am Himmel vorbeifliegt, ein Auto auf der Straße vorbeifährt oder Nachbars Hund drei mal bellt.

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In seltenen Fällen klappt die Übertragung aber dann fehlerfrei und so kommt es, dass wir nach etlichen Versuchen tatsächlich das letzte Bild sichern können:

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Alles in allem bin ich froh, dass wir das hinbekommen haben. Das Paket samt Handys und gesicherten Daten auf einem USB-Stick habe ich natürlich an den verzweifelten Leser zurückgeschickt. Ich hoffe, dass sich der Aufwand gelohnt hat und die gesicherten Bilder für ein paar freudige Momente sorgen.

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Mir hat die kleine Retro-Challenge – trotz aller Widrigkeiten – gut gefallen. Es ist immer schön, wenn man jemanden helfen kann und wenn das dann auch noch mit alter Technik und längst verschollen geglaubte Medien zu tun hat, ist es umso besser! 🙂

In diesem Sinne – bis die Tage, ciao!