#158 – DS Lite case mod

Erst kürzlich haben wir ja zusammen das D-pad einer DS Lite-Konsole repariert. Warum jetzt also noch ein Beitrag über Nintendos erfolgreichste tragbare Konsole?

Tja, was soll ich sagen – manchmal hat man die Planung eben nicht selbst in der Hand. Durch Zufall, bzw. als kostenlose „Zugabe“ zu einem Tauschgeschäft in einem Videospielforum ist mir folgender Nintendo DS Lite in die Hände gefallen.

Tatsächlich scheint das Gerät wohl prinzipiell zu funktionieren, nur die Knöpfe lassen sich nicht bedienen, der Stift fehlt und das Gehäuse hat die besten Tage schon lange hinter sich. Das Teil hat definitiv „gelebt“!

Es war sogar ein Netzteil mit dabei, aber das hat wohl leider auch schon ganz schön gelitten. Ein Pol des Eurosteckers ist ganz schön verbogen und die Plastikummantelung abgerissen. So lässt sich der DS Lite garantiert nicht mehr aufladen! 😀

Puh – das schreit doch fast nach einer Challenge! 😉 Ob wir es schaffen, den DS wieder vollständig zu restaurieren? Challenge accepted! 🙂

Als erstes sollten wir uns mal um das verbogene Netzteil kümmern. Mit etwas Gewalt und Modellbaukleber lässt sich der Pol wieder geradebiegen.

Ich befürchte, die Konsole selbst zu reparieren wird nicht ganz so einfach. Als erstes müssen wir uns mal auf die Suche nach ein paar Ersatzteilen machen. Zum einen bräuchte das Ding ein neues Gehäuse. Kein Problem, denn es gibt eine große Auswahl an Ersatz-Gehäusen zu kaufen. Diese kosten meist ca. 10€ und kommen für gewöhnlich aus China. Ich habe mich letztendlich für ein blau-transparentes entschieden, das ist einfach mal was Anderes! 🙂

Ebenso möchte ich dem DS Lite neue Tastengummis spendieren, wenn von vornherein klar ist, dass die Knöpfe nicht mehr richtig reagieren. Und für 3€ inklusive Versand kann man glaub ich nichts falsch machen! 😉

Alle Ersatzteile parat? Gut, dann kann es ja endlich losgehen. Wenn ich so an Artikel 156 zurückdenke, haben wir uns nur um die Unterseite gekümmert, ich befürchte heute wird das – gerade wenn ich an die Scharniere denke – etwas komplizierter. Generell sind Konsolen mit Gelenken schwieriger zu reparieren finde ich. Ihr seht also – heute geht’s richtig ans Eingemachte! Also, Akku rausnehmen und Schrauben auf der Rückseite entfernen…

Nachdem die Gehäuserückseite entfernt wurde, kann man die Schultertasten angehen. Da ich beim letzten Mal so viel Zeit mit dem blöden Mechanismus verschwendet habe, wollte ich diesen als erstes umbauen! 🙂

Jetzt können die letzten beiden Schrauben am Mainboard gelöst…

…die WLAN-Antenne und das Mikrofonkabel abgesteckt und das WLAN-Modul entfernt werden. Zumindest ist der Klebestreifen unter der WLAN-Platine vorhanden, d.h. es hat vermutlich noch niemand vorher an dem DS rumgebastelt – ein gutes Zeichen!

Das schwarze Antennenkabel muss dabei unter dem DS-Modulport hindurchgeführt werden – eine sehr knifflige Angelegenheit, weil der Stecker häufig an irgendwelchen SMD-Bauteilen hängen bleibt. 😀

Nun kann das Mainboard umgeklappt und das Mikrofonkabel aus der Halterung genommen werden.

Um die Unterseite des DS vollständig zu entfernen, muss nur noch das Flachbandkabel aus dem Sockel entfernt werden. Hierzu muss eine kleine Halterung hochgeklappt und das Flachbandkabel anschließend vorsichtig entfernt werden. Uff, diese Kabelführung hat es in sich!

Puh, erster Teil geschafft! 🙂

Jetzt können wir uns der Oberseite des DS widmen. Hier müssen Schritt für Schritt die Tastengummis, die einzelnen Knöpfe sowie die beiden Schrauben rechts unten, welche das Gelenk des DS befestigen, gelöst werden. Ist das geschafft, kann die kleine Abdeckung sowie das darunterliegende Gelenk entnommen werden.

Jetzt kommt ein kniffliger Schritt, denn um die Zwischenschicht des Gehäuses entfernen zu können, muss das Flachbandkabel durch einen schmalen Schlitz geführt werden. Hier ist höchste Vorsicht geboten – ein falscher Griff und der DS ist Geschichte!

Fun Fact: Dieser Schritt ist echt schwer mit Bildern zu beschreiben. Im Zweifelsfall sollte man ein Video-Tutorial zu Rate ziehen, wenn man sich unsicher ist. 🙂

Um an die letzten vier Schrauben zu kommen, müssen nochmal kleine Abdeckungen (Gummiaufkleber) entfernt werden. Bei der Gelegenheit habe ich die (schon sehr verkratzte) Displayschutzfolie abgezogen und den Bildschirm mit einem Mikrofasertuch gereinigt.

Fun Fact: Ich habe es leider vergessen zu fotografieren, aber auf dem Touchscreen (unterer Bildschirm) war auch noch eine Schutzfolie drauf. Wenn man diese entfernen möchte, muss man sehr vorsichtig sein, nicht eine weitere Schicht mit abzureißen und das Display somit zu zerstören.

Um die Bildschirmabdeckung zu entfernen, muss diese nach unten geschoben werden, während die Rückseite des Gehäuses nach oben gedrückt wird. Anschließend kann die Rückseite entfernt und der Bildschirm umgedreht werden. Aha – hierhin ist also das Flachbandkabel verschwunden! Bevor der Bildschirm entnommen werden kann, muss das Klebeband, welches die Lautsprecherkabel hält, entfernt werden. Dann kann man mit leichtem Druck von vorne das Display nach hinten hinausdrücken. Das geht mitunter recht zäh, weil es mit doppelseitigem Klebeband an der Gehäusefront befestigt ist.

Anschließend müssen WLAN-Antenne, Mikrofon und Flachbandkabel von der Gehäuseoberseite gelöst werden. Ich gebe es zu – ich habe es mir leichtgemacht und anstatt mühsam das Flachbandkabel durch die enge Öffnung zu pfriemeln einfach das alte Gehäuse mit einem Seitenschneider „bearbeitet“! 😉

Ist das geschafft kann „schon“ (um nicht zu sagen endlich) mit dem neuen Gehäuse begonnen werden. Um ehrlich zu sein wusste ich, dass das kein einfaches Projekt wird, aber dass es so fummelig und komplex wird hätte ich nicht gedacht (oder nicht gehofft?)… 🙂

In umgekehrter Reihenfolge werden nun das Flachbandkabel, das Mikrofon, die WLAN-Antenne und die Lautsprecher ins neue Gehäuse eingebaut.

Passt dabei auf, dass ihr den kleinen silbernen Ring nicht vergesst, sonst geht es euch so, wie dem Onkel retrololo, der alles nochmal auseinanderbauen musste! 😀

Mann, bin ich froh, dass dieser Teil geschafft ist. Nun kann die Gehäuserückseite wieder aufgesteckt und festgeschraubt werden.

Danach muss das Flachbandkabel erneut durch den Schlitz auf der Gehäuseoberseite geführt und das Gelenk in die Führung eingesetzt werden. Bei der Gelegenheit macht es Sinn auch gleich die Gelenkabdeckung zu montieren.

Fun Fact: Auch hier sollte man unbedingt dran denken, den kleinen Plastikdiffusor einzusetzen, sonst ärgert man sich später nur unnötig. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung 😀

Nun kann das Mikrofonkabel verlegt und die Knöpfe samt Tastengummis einsetzt werden.

Ist das geschafft muss das WLAN-Modul wieder angesteckt, die Platine festgeschraubt und die (echt nervigen) Schultertasten eingesetzt werden. Ernsthaft – dieser verdammte Mini-Federmechanismus hätte mich fast in den Wahnsinn getrieben! xD

Als nächstes muss noch die Rückseite verschraubt und die Batterie eingelegt werden. Leider war das Gehäuse an einigen Stellen nicht ganz sauber verarbeitet und so musste ich z.B. im Batteriefach ein paar unsaubere Kanten mit einer Feile etwas bearbeiten.

Als letzten Schritt kann man dann noch die Gummiabdeckungen, einen Seriennummernaufkleber sowie die Displayschutzfolien aufkleben. Ich habe mich dazu entschieden auf der Oberseite keinen Aufkleber anzubringen – so wirkt das Display viel kräftiger und letztendlich sollte man ja sowie nur unten auf dem Touchscreen herumtippen und den oberen Bildschirm in Ruhe lassen! 😉

Alter – was für eine Aktion! 😀 Jetzt bleibt nur noch zu prüfen, ob der DS auch noch funktioniert…

Gott sein Dank – ich glaube ich hätte nicht den Nerv gehabt, das Teil nochmal aufzuschrauben. Ende gut, alles gut. Der DS funktioniert wieder und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Die Farbe des Gehäuses gefällt mir gut, sieht stylisch aus! 😉

So, entschuldigt mich jetzt bitte – nach der langen Session brauch ich erst mal etwas Ruhe und vielleicht eine Runde „New Super Mario Bros“.

In diesem Sinne – bis die Tage!

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