#219 – Retro-Keyboard-Reparatur

Vorwort: Das hat zwar überhaupt nichts mit dem heutigen Beitrag zu tun, aber wie es der Zufall will, ist heute Weihnachten. Ho ho ho liebe Leute! 🙂

Das letzte Jahr war – so wie die Jahre zuvor auch – aus verschiedenen Gründen nicht immer ganz einfach. Nicht nur die aktuelle Rezession, in der wir uns befinden, sondern auch die „Themen in der Welt“ beschäftigen und stimmen mich nachdenklich. In solchen Zeiten ist es wichtig, nicht die Hoffnung zu verlieren und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Was das ist? Nun, diese Frage muss wohl jeder einzelne für sich selbst beantworten, denn schließlich tickt jeder Mensch ein klein wenig anders. Ich denke es gehört zu unserer Identität als Menschen anderen Menschen ein grundsätzliches Maß an Empathie und Nächstenliebe entgegenzubringen. Intoleranz und Egoismus sind da völlig fehl am Platz. Hab mal ein bisschen Respekt, Alter! 😛

In diesem Sinne – ich wünsche allen Nerds und Nicht-Nerds da draußen frohe Weihnachten und ein möglichst besinnliches Fest im Kreise ihrer Freunde und Familien!

Genug der weihnachtlichen Worte, kommen wir lieber schnell zum eigentlichen Thema…

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Mann, es geht doch nichts über ein gutes, altes Cherry-Keyboard… 😉

Es gab eine Zeit, in der waren solche Tastaturen in so ziemlich jedem deutschen Haushalt oder Büro zu finden. Cherry-Keyboards waren robust, langlebig und trotzdem erschwinglich. Alles Eigenschaften, die man sich bei dem ein oder anderen elektronischen Gerät heutzutage auch mal wünschen würde. Mit dem aus heutiger Sicht auch schon recht altbacken wirkendem PS2-Anschluss passt die Tastatur doch ideal zu dem Shuttle-PC aus Artikel 87, findet ihr nicht? 😉

Fun Fact: Auch heute gibt es (trotz zahlreicher Umbenennungen und Umfirmierungen) die Firma „Cherry“ noch und sie stellen sogar immer noch Tastaturen her, welche dank ihrer mechanischen „MX“-Schaltertechnologie gerade im Premium-Segment recht beliebt sind!

Na, dann wollen wir das gute Stück doch gleich mal am PC anstecken. Hm, seltsam. Es sieht so aus, als ließen sich einige der Buchstaben nicht drücken? So reagieren unter anderem das „G“, das „H“ oder das „S“ überhaupt nicht!

Fun Fact: So etwas mit Bildern zu zeigen ist natürlich schwierig, daher habe ich einfach eine Textdatei geöffnet und einmal das Alphabet eingegeben, damit ihr sehen könnt, welche Buchstaben nicht funktionieren! 😉

Na sowas, wie kann das denn sein? Zumindest optisch schauen die Tasten noch ganz gut aus:

Ich befürchte wir müssen den betagten Kumpel mal öffnen und nach dem Rechten sehen. Man merkt richtig, dass es sich um ein älteres Stück Hardware handelt, denn das Gehäuse lässt sich ohne Probleme öffnen. Die Ober- und Unterseite der Tastatur sind geklipst und werden lediglich durch ein paar Plastiknasen zusammengehalten. Um ehrlich zu sein bin ich da nicht böse drum, denn so lässt sich das Ding relativ einfach öffnen! 😉

Erst mal im Inneren der Tastatur angekommen, können wir feststellen, dass hier erstaunlich wenig los ist! Außer ein paar Gummikappen, etwas Plastikfolie sowie der Steuerplatine gibt es hier nicht viel zu sehen. Ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber dennoch bin ich über den extrem simplen Aufbau des Keyboards überrascht! xD

Steuerplatine ist ein gutes Stichwort – schaut euch mal diese einfache Steuerung an. Das gefällt mir, das sieht so aus, als könnte man hier echt noch relativ einfach was reparieren – sofern denn an der Stelle etwas defekt ist.

Tatsächlich glaube ich aber gar nicht, dass es an der Elektronik liegt. Wenn wir Glück haben, ist es nur ein mechanisches Problem und die Kontakte der Tasten haben sich einfach im Lauf der Jahre abgenutzt.

Man merkt, dass es eine eher günstige Tastatur ist, denn im Vergleich zu teuren Modellen, bei welchen wirklich einzelne mechanische Schalter pro Taste für ein perfektes Schreibgefühl verbaut sind, kommen hier nur einfache Gummiglocken für das taktile Feedback zum Einsatz.

Deren Funktionsprinzip könnte kaum simpler sein. Im Endeffekt wird durch den Druck auf eine Taste eine dieser Glocken nach unten gedrückt, wodurch wiederrum ein Metallkontakt auf einer Trägerplatte zu Stande kommt.

Fun Fact: Diese „Rubberdome“ genannte Technologie ist letztendlich die gleiche wie z.B. bei einem NES-Controller (siehe Artikel 105)! 🙂

Die Tastatur, bzw. die darunterliegenden Kontaktfelder sind dabei in Matrixform aufgebaut und bestehen aus drei, mit leitenden Kontakten bestückten Folien. Die unterste Folie enthält die Zeilenkontakte, während sich auf der obersten Folie die Spaltenkontakte befinden. Zwischen beiden findet sich noch eine Abstandsfolie, welche als Trennschicht zwischen beiden Folien fungiert.

Fun Fact: Was es mit dieser Matrixorganisation auf sich hat und warum das alles so angeordnet ist werde ich euch heute nicht erklären. Wen das interessiert, der kann sich ja gerne die „Funktionsweise der Computertastatur“ selbst z.B. auf Wikipedia durchlesen! 😛

Papperlapapp, von diesem Theorie-Gesülze repariert sich die Tastatur nicht! 😛 Das ist natürlich korrekt, darum sollten wir uns schnell auf die Suche nach einem Fehler begeben. Als erstes fallen sofort die verdreckten Metallkontakte auf. Die betteln ja förmlich darum, mit etwas Alkohol und einem Mikrofasertuch (oder alternativ ein paar Taschentüchern) gereinigt zu werden.

Zwar habe ich verdammt viel Dreck entfernen können, aber leider hat das den Fehler nicht behoben und die Buchstaben werden immer noch nicht erkannt. Mist! 🙁

Es hilft nichts, wir müssen also einen detaillierteren Blick auf die „Technik“ (um nicht zu sagen auf die einzelnen Schichten Plastikfolie) werfen. Es sieht so aus, als wäre irgendwann mal eine Flüssigkeit in die Tastatur eingedrungen und hat Spuren hinterlassen. Dieser „Fleck“ ist alles andere als normal würde ich sagen! 😀

Auf den Folien befinden sich Leiterbahnen, welche die einzelnen Kontaktfelder der Tasten miteinander verbinden. Da sich ein paar dieser Bahnen am äußersten Rand der Folie befinden, ist es auch kein Wunder, dass der Schmutzfleck ein paar der Leiterbahnen überdeckt. Ich glaube wir sind auf der richtigen Spur, denn wie es der Zufall will, führt eine dieser Bahnen tatsächlich zu den Buchstaben „G“ und „H“, welche ja nicht funktionieren!

Ich denke wir sollten mal versuchen, den Dreck zu entfernen. Ich habe versucht mit etwas Isopropanol und ein paar Wattestäbchen möglichst vorsichtig vorzugehen, um nichts zu beschädigen.

Auf den ersten Blick schaut das Ergebnis ganz okay aus, aber schauen wir genauer hin, stellen wir fest, dass die eingetretene Flüssigkeit wohl das Folienmaterial angegriffen und dabei schon ein paar Leiterbahnen auf der linken Seite zerstört hat. Wir kommen zu spät! 🙁

Und jetzt? Um ehrlich zu sein will ich die Tastatur nur ungern in den Müll werfen. Außerdem würde es mich reizen das irgendwie zu reparieren! 😀 Letztendlich müssen wir ja „nur“ die fehlenden Stücke der defekten (unterbrochenen) Leiterbahnen irgendwie überbrücken!

Leichter gesagt, als getan, denn die Bahnen sind so dünn und schmal, dass man nicht einfach ein Stück Kabel oder ähnliches dranlöten kann. Letztendlich habe ich einfach die Isolierungsdrähte von einem alten (bereits zerschnittenen) USB-Kabel verwendet:

Damit – sowie mit ein paar Streifen Tesa – lassen sich die Bahnen reparieren, bzw. eher „flicken“. Klar, das könnte man mit Sicherheit besser, bzw. professioneller (z.B. mit leitfähiger Farbe) reparieren, aber für einen einfachen Test um herauszufinden, ob das überhaupt der Fehler ist, sollte diese „Tesa-Verdrahtung“ allemal ausreichen! 😉

Sieht schon irgendwie abgefahren aus, findet ihr nicht? 😀

Na, ob das auch wirklich funktioniert? Der Texteditor wird es uns gleich verraten. Aha, diesmal sind es schon weniger Buchstaben, die im ABC fehlen. „G“ und „H“ scheinen jetzt zu funktionieren! 🙂

So viel zu den guten Nachrichten, denn leider sind scheinbar immer noch ein paar Buchstaben (nämlich „S“, „W“ und „X“) defekt! Und jetzt?

Etwas auffällig ist, dass die drei Buchstaben direkt über- bzw. untereinander auf der Tastatur liegen. Dementsprechend würde ich mal vermuten, dass es noch ein Problem mit der oberen Folie (in welcher die Spaltenkontakte an die Steuerung weitergeben werden) gibt!

Mal sehen… Aha, da haben wir ja auch schon eine verdächtige Stelle. Diese Leiterbahn hat definitiv schon bessere Tage gesehen:

Allerdings sieht es nicht so aus, als wäre sie komplett defekt oder getrennt. Mit etwas Alkohol habe ich die Bahn (sowie ein paar weitere, auffällig dreckige Stellen) gereinigt. Jetzt sehen die Folien-Leiterbahnen schon viel besser aus:

Ein abschließender Test im Texteditor bestätigt es – unsere Aktion war erfolgreich. Tatsächlich ist das Problem behoben und alle Tasten funktionieren wieder problemlos! Geil! 😀

Not so fun Fact: Um sicher zu gehen, dass wirklich sämtliche Tasten und Tastenkombinationen funktionieren, müsste man einen wesentlich ausgiebigeren Test (ggf. sogar mit spezieller Software) durchführen. Seht es mir nach, dass ich das irgendwann mal in Ruhe mache. Darauf habe ich heute einfach keine Lust mehr! 😛

Ist es nicht verblüffend, mit welchen einfachen Mitteln man manchmal Dinge reparieren kann? Zugegeben – es war schon etwas fummelig und vermutlich viel zu viel Aufwand für eine alte PS2-Tastatur, aber alleine die Tatsache, dass wir das gute Stück vor dem Müll gerettet haben macht mich schon irgendwie glücklich. 🙂

In diesem Sinne, bis die Tage, ciao!

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